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Leselupe.de > Kindergeschichten
Das verzauberte Hexenbuch
Eingestellt am 01. 03. 2016 20:39


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MIO
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Das verzauberte Hexenbuch

Im hintersten Winkel des Waldes stand die einsame Hütte der Hexe Olga. Olga hatte pechschwarzes struppiges Haar, eine kleine Stupsnase und feurig grüne Augen. Olga mochte den Winter. Gerade gestern, hatte sie mit den Kindern aus dem Dorf einen großen Schneemann gebaut. Danach kuschelten sich die Kleinen bei einer Tasse Kakao auf ihr Sofa und die Hexe las ihnen ihre selbst erdachten Geschichten vor.
An diesem Morgen sprang Olga bibbernd aus dem Bett. Die Kälte kroch durch sämtliche Ritzen. Sie ging zum Ofen und sah, dass das Holz bis auf den letzten Scheit aufgebraucht war. Nun musste sie nach draußen in den Schuppen, um Nachschub zu holen. Schimpfend zog Olga den Mantel an, streifte die Stiefel über und setzte die Pelzkappe.

Missmutig schlurfte sie durch den Schnee. Plötzlich blieb sie, wie vom Donner gerührt stehen. Waren da nicht Fußabdrücke? Das konnten doch keine gewöhnlichen Füße gewesen sein? Sie waren riesig und führten direkt zu ihrem Holzschuppen. Olga fuhr der Schreck in die Glieder. Hatte es sich ein Bär in ihrem Schuppen gemütlich gemacht? Sie legte das Ohr an die Tür und hörte einen rasselnden Atem. Wenn ich die Tür öffne, wird die Bestie wach und fällt über mich her. Lieber erfriere ich, dachte Olga und ging zurück in ihre Hütte. Dort lief sie um den Tisch und kratzte sich den Kopf. Das tat sie immer, wenn sie angestrengt nachdachte. Sie könnte das Holz aus dem Schuppen in die Hütte hexen. Allerdings hatte sie sich beim letzten Mal so verhext, dass ihr die Holzscheite um die Ohren gesaust waren und dabei zwei Fensterscheiben zerschlagen hatten

Ja das war eine tolle Idee. Sie würde den Bären mit dem Verwandlungszauber auf Mausgröße schrumpfen. Sie holte ihr dickes Zauberbuch aus dem Schrank und schlug es auf. Verkleinerungszauber … Sie hatte den Spruch gefunden.

Hexenschleim und Wiesenkr…

Oh nein, war das nicht letztens gründlich schief gegangen?Der Tannenbaum, den sie für ihr Weihnachtsfest schrumpfen wollte, stand noch immer als Bonsai auf dem Fensterbrett.
Während sie am Abend ihre kalte Suppe löffelte, sah sie draußen einen Lichtschein. Sie ging ans Fenster und traute ihren Augen nicht. Da saß doch mitten auf dem Hof ein Mensch. Kein gewöhnlicher, nein ein sehr großer Mensch, ein Riese. Olga kochte vor Wut. Der dreiste Riese war es also, der in ihrem Schuppen geschlafen hatte und mit ihrem Holz an einem Feuerchen saß. Während sie hier drin mit Handschuhen und klappernden Zähnen aß. Zornig knallte sie den Löffel auf den Tisch und lief nach draußen.

„He Lulatsch“, krächzte sie, „was machst du auf meinem Hof, mit meinem Feuerholz?“
Der Riese zuckte zusammen und antwortete kleinlaut:
„Verzeih mir, ich habe mich letzte Nacht verlaufen. Mir war so kalt. Ich werde dir im Wald neues Holz besorgen.“
Nun tat Olga der Riese leid. Sie ließ ihn Holz ins Haus bringen, wärmte die Suppe und bot ihm einen Teller an.
„Da hast du Glück gehabt, sagte sie nur noch ein wenig vorwurfsvoll, fast hätte ich dich in Mausgröße verwandelt. Ich dachte im Schuppen schnarcht ein Bär.“
„Wie machst du das mit dem verwandeln?“, fragte der Riese neugierig.
„Das hab ich auf der Hexenakademie gelernt. Die Sprüche stehen alle aufgeschrieben in meinem Zauberbuch da drüben.“
Olga trug die Teller in die Küche. Als sie zurück kam, hatte es der Riese sehr eilig. Er verabschiedete sich und Olga sah aus dem Fenster wie er durch den Schnee davon stapfte.

Nach der Aufregung legte sich Olga in der warmen Hütte aufs Ohr. Als sie erwachte, wollte sie das Hexenbuch in den Schrank zurück legen, aber es war verschwunden. Ja, du wirst alt, sagte sie zu sich. Sicher hast du es schon zurück gelegt. Sie schaute in den Schrank, aber dort war es nicht.
Olga stampfte vor Wut so fest auf den Boden, dass die Hütte wackelte. "Dieser gemeine Riese", schimpfte sie. "Der Schuft hat mein Hexenbuch gestohlen." Draußen hatte sich inzwischen ein Schneesturm zusammengebraut, bei dem keiner einen Fuß vor die Tür wagen würde. Olga musste ihr Buch zurückholen. Sie zog den halben Inhalt ihres Kleiderschrankes übereinander und holte den Hexenbesen hinter dem Schrank hervor. Eilig schloss sie die Tür hinter sich und düste los.
Da der Wind ihr dem Schnee ins Gesicht trieb, konnte sie kaum etwas erkennen. Doch da, am Fuße einer großen Eiche, war das nicht ihr Buch? Sie landete und hörte ein leises wimmern Wimmern. Was war das? Sie musste drei Mal nachsehen. Im Schnee steckte ein winziger Wicht. Der Riese war auf die Größe eines Daumens geschrumpft.
"Das hast du nun davon, wetterte Olga. Du gemeiner, hinterhältiger Dieb."
„Bitte hilf mir, bettelte der Zwerg. Ich wollte doch nur ein ganz gewöhnlicher Mensch sein. Keiner sollte mehr Angst vor mir haben und weglaufen. Bitte lass mich nicht allein hier in der Kälte.“ Er reckte seine winzigen Ärmchen und Olga konnte sehen, dass seine stecknadelkopfgroße Nase schon ganz blau gefroren war. Sie hatte Mitleid, steckte den Winzling in ihre Tasche und flog nach Hause.

In der Hütte setzte sie ihn auf den Tisch. Er erzählte ihr, dass er genau die richtigen Worte für den Verwandlungszauber gesprochen hatte. Olga hatte es sich schon länger gedacht: Mit dem Hexenbuch stimmte etwas nicht. Sie las den Spruch, der den Riesen in seine normale Größe verwandeln sollte.

Hexenschleim und Wiesenschaumkreuzotter
schwarze Krähenfeder, Eisblumendotter
abrakruzi, mantokapi, xolaglück,
verwandle auf der Stelle dich zurück

Aber was war das? Der Riese war kein Zwerg mehr, sondern eine Krähe. Die schlug wild mit den Flügeln um sich und krächzte ein fürchterliches Kraaa! Kraaa! Kraaa!
„Sei still“, sagte Olga. „Ich glaube das Zauberbuch ist verhext. Morgen früh, wenn der Schneesturm vorbei ist fliegen wir zur Hexenakademie.“

Am nächsten Morgen machten sich die beiden auf den Weg.
Olga erblickte die Türme der Akademie schon von weitem. Im Anflug sieht sie Albertine und Roderich, zwei von ihren alten Klassenkameraden. Sie ging mit der Krähe auf der Schulter in das Gebäude. Ihr Herz schlug wild gegen in ihre die Brust, als sie an die Tür des Oberhexenmeisters Salaminder Hopfenheim klopfte. Als er „herein“, rief öffnete sie zaghaft die schwere Eichentür.
„Ach, sieh an Olga“, sagte er. Hast du es dir noch einmal überlegt und willst die Hexenprüfung nachholen?“
„Ich habe alle Hexensprüche gelernt, wie sie in dem Buch stehen“, sagte Olga. „Aber dieses Buch ist verhext.“
Die Krähe auf Olgas Rücken krächzte zustimmend, erhob sich und flog aus dem geöffneten Fenster.
„Olga, wer sollte denn das Buch verhext haben? Du hast die Sprüche vertauscht. Deine Prüfung war eine Katastrophe,“ sagte Salaminder.
„Ja, dann habt ihr mich in die hinterste Ecke des Waldes verbannt. Aber mit den verdrehten Zaubersprüchen kann ich lange üben. Es kommt immer wieder Unsinn heraus.“
„Du warst meine große Hoffnung. Du wolltest doch so gern die Stelle in der Junghexenabteilung haben.“
„Ja, dann hat sie Albertine bekommen.“ schniefte Olga beleidigt.
„Sie hatte nun mal die besseren Prüfungsergebnisse.“
Olga krampfte sich der Magen zusammen, wenn sie an Albertine dachte, zerknirscht sagte sie: „Ja, ich weiß. Heute muss ich dringend die Krähe in einen Riesen zurück verwandeln und brauche den Spruch. Der Hexenmeister öffnete ihr Buch.
„Da steht er doch!, Rückverwandlung Nummer einhundert drei.
Salaminder schaute sich um. Wo ist denn die Krähe?“
„Sie hockt da unten auf dem Ast. Unter dem Albertine und Rodrich auf der Bank sitzen.“
Beide schauten gespannt aus dem Fenster und sprachen.

Dürres Spinnenbein und Tintenhexe
Flussnielfliege, Pusteblumenkleckse
Obra, Dobra, Makademi, Palagei
Vogel sei nun wieder frei.

Was war passiert? Aus der Krähe wurde kein Riese, nein ein Papagei, der sich aufschwang und ins Zimmer flatterte.
„Die hab ich reingelegt. Die hab ich reingelegt“, krächzte er in einem fort und kreiste um die Deckenleuchte.
Der Hexenobermeister holte sein privates Zauberbuch, schlug es auf und sagte den richtigen Zauberspruch.

Dürres Spinnenbein und Tintenhexe
Flussnielfliege, Pusteblumenkleckse
Dobra, Obra, Makademi, eins, zwei, drei
bunter Vogel sei nun wieder frei

Nun stand der Riese vor ihnen. Er erzählte den beiden, dass er Albertine und Roderich belauscht hatte. Albertine protzte damit, Olgas Zauberbuch verhext zu haben.
Der Hexenobermeister entschuldigte sich bei Olga und brachte das Buch wieder in Ordnung. Er bot ihr sogar eine Stelle in der Hexenschule an, aber Olga lehnte ab. Sie hatte sich an das Leben im Wald gewöhnt. Den Riesen verwandelte sie zum Dank, dass er ihr geholfen hatte in Menschengröße.
Als der Frühling durch den Wald streifte, feierten Olga und der Riese, der nun kein Riese mehr war, gemeinsam mit den Kindern des Dorfes ein großes Fest.

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