Endlich hab ichs geschafft, die neue Sonja zu lesen.
Hier mein Eindruck:
Martin kurvt aus dem Parkdeck, steuert durch den Feierabendverkehr, erreicht nach zwanzig Minuten die Tiefgarage, fährt mit dem Lift in sein Penthouse….und denkt dann nicht an Entspannung und an einen coolen Drink auf der Terasse….nee, sondern an einen Stadtbummel…
Hätte er den nicht vorm nach Hause fahren machen können? Vielleicht besser, er denkt gleich ans Strassenbistro.
Korrektur: schlenderte an ihrem Platz vorbei, würd ich sagen)
War die Serviette für Martin gedacht? Oder evtl. doch für den Kellner? (Vielleicht besser: Sie kritzelte etwas auf eine Serviette, schickte dabei ein Lächeln in seine Richtung)
Korrektur: Verließ das Bistro. Hier fehlt das “er”. Aber besser den Satz ganz weglassen und weiter mit: Zwei Stunden später stand er auf der Brücke .
Jetzt hast Du den Grund eingebaut, warum Martin nichts über Sonja wusste (find ich viel besser so).
An die frühere Version kann ich mich nicht mehr so genau erinnern, aber jetzt hast Du die Geschichte weiter ausgebaut, mit mehr Elementen, die sie verständlicher machen. Auch das Ende.
Ja klar, die Geschichte ist voller Klischees und Martin als Hauptfigur recht uninteressant; aber der Autor hats so gewählt und mich hats nicht gestört, da ich wissen wollte, wie es denn nun weitergeht. Im Grossen und Ganzen eine “nette” Geschichte, dessen Aha Effekt mich allerdings nicht gross umhaut, da es ein wenig in die “Märchen-Richtung” geht.
Was mich allerdings immer wieder fasziniert: Wie zügig Du in Deinen Geschichten vorgehst, ohne viel drumherum, mit den richtigen Worten, immer gleich zur Sache.
Das ist schon eine Kunst für sich.
Mit lieben Gruss!
Ji
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Der Leser hat´s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)
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Vagant Häufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2014
ich weiß, es ist nicht gerade 'Guter Ton' Kritik an der Kritik zu üben, aber ich möchte mal kurz auf Ja Rinas 'du-findest-immer-die-richtigen-Worte' eingehen.
Mhm... ja, wie soll ich's sagen? Mir drängelt sich der Erzähler durch seinen allzu saloppen Ton zu sehr in den Vordergrund. All diese: er kurvte, er wippte, er ging schnurstracks, usw's passen m.E. zwar zu einem Icherzähler, aber nicht zu einer personalen Erzählperspektive.
Dann ist da noch eine Häufung solcher Erzählerkommentare wie 'dachte er, usw.' zu beobachten. Wahrscheinlich ist dies nicht mal falsch ( jedenfalls nicht so richtig falsch), und trotzdem liest man diese Art des 'Verbum-credendi' im modernen Erzählen eigentlich kaum noch. Meist wird die erlebte Rede situativ in den Erzählbericht eingebettet und unterscheidet sich im Wortlaut kaum von der direkten Rede – einziger Unterschied: die Pronomen (er statt ich). Also das ist halt nur so eine kleine stilistische Frage: Wird die erlebte Rede hier mehr zum Erzähler gerückt, oder dient sie dazu, der Figur Profil zu geben?
Ich bevorzuge die 2te Variante, und die klappt am besten durch den Verzicht auf all diese 'Dachte-er'.
Nur so Gedanken; ansonsten bin ich ganz bei Ja Rina: Gutes Tempo in der Geschichte, gern gelesen.
LG Vagant
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DocSchneider
Foren-Redakteur Häufig gelesener Autor
Registriert: Jan 2011
die Geschichte liest sich wie ein Glas des edlen Sprudelwassers, das im Text öfter auftaucht: Leicht und schnell genossen. Was mich stört: Es sind unglaublich viele Klischees vorhanden, nicht nur bei Martin, sondern auch bei Sonja, die natürlich schlank ist, lange blonde Haare hat und knapp bemessene Kleidung trägt. Wesentlich mehr Pfeffer bekäme doch das Ganze, wenn sie keinem Klischee entspräche und durch ihre Hexenfähigkeiten ihr Aussehen verändern könnte ... was ich sehr unglaubwürdig finde, sind die sexuellen Anspielungen Martins gegenüber seinen Kolleginnen. Das lässt sich heute keine Frau mehr gefallen!
Der Schluss ist märchenhaft. Gibt es das?
VG,
DS
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virgina Woolf)
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ThomasQu Häufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2015
Martin kurvt aus dem Parkdeck, steuert durch den Feierabendverkehr, erreicht nach zwanzig Minuten die Tiefgarage, fährt mit dem Lift in sein Penthouse….und denkt dann nicht an Entspannung und an einen coolen Drink auf der Terasse….nee, sondern an einen Stadtbummel…
Hätte er den nicht vorm nach Hause fahren machen können? Vielleicht besser, er denkt gleich ans Strassenbistro.
Ist das nicht normal, wenn man von der Arbeit kommt uns sich etwas frisch gemacht hat, dass man sich dann überlegt: Was könnte ich denn jetzt noch machen?
War die Serviette für Martin gedacht? Oder evtl. doch für den Kellner? (Vielleicht besser: Sie kritzelte etwas auf eine Serviette, schickte dabei ein Lächeln in seine Richtung)
OK, da hast du recht, diese Szene könnte ich noch etwas verdeutlichen.
Korrektur: Verließ das Bistro. Hier fehlt das “er”. Aber besser den Satz ganz weglassen und weiter mit: Zwei Stunden später stand er auf der Brücke .
Du hast recht. Wird entsorgt.
Im Vergleich zur ersten Version, in der Sonja noch eine böse Hexe war, finde ich den Text jetzt selber etwas weichgespült, aber, was soll man machen?
Danke für deine Meinung, das Lob und für die Vorschläge.
@Vagant:
Mir drängelt sich der Erzähler durch seinen allzu saloppen Ton zu sehr in den Vordergrund. All diese: er kurvte, er wippte, er ging schnurstracks, usw's passen m.E. zwar zu einem Icherzähler, aber nicht zu einer personalen Erzählperspektive.
Weiß nicht, wie hätte ich das denn sonst schreiben sollen?
Dann ist da noch eine Häufung solcher Erzählerkommentare wie 'dachte er, usw.' zu beobachten. Wahrscheinlich ist dies nicht mal falsch ( jedenfalls nicht so richtig falsch), und trotzdem liest man diese Art des 'Verbum-credendi' im modernen Erzählen eigentlich kaum noch. Meist wird die erlebte Rede situativ in den Erzählbericht eingebettet und unterscheidet sich im Wortlaut kaum von der direkten Rede – einziger Unterschied: die Pronomen (er statt ich).
Wenn ich dieses “dachte er“ weglasse, dann merkt man es nur noch daran, wenn er etwas denkt, dass der Text ins Präsens wechselt. Das “dachte er“ dient zur Verdeutlichung. Aber vielleicht hast du recht, ich überprüfe das mal. Womöglich wird dadurch alles noch etwas flotter.
Danke schön, Vagant. Freut mich, dass dir der Text im Großen und Ganzen gefallen hat.
@Doc Schneider
Wenn die Sonja als Lockvogel dienen soll, dann muss sie auch etwas hermachen und wenn sie nur durch ihre Hexenfähigkeit ihr Aussehen positiv verändern könnte, dann würde sie ja trotzdem gut aussehen. Wo ist dann der Unterschied?
Das mit den Klischees stimmt leider, aber ohne würde der Text wohl gar nicht funktionieren.
Mit diesen sexuellen Anspielungen habe ich Martin vielleicht etwas überzeichnet, aber nicht sehr. Die eine Frau lässt sich so etwas eben gefallen und leidet darunter, wie in diesem Fall Katharina, die andere nicht … Es kommt immer auf den Typ an.
Ist nicht die ganze Geschichte etwas märchenhaft?
Märchenhaft vor allem für mich ist der erste Satz deines Kommentars. Der Vergleich mit dem Sprudelwasser ehrt mich schon, genauso möchte ich das. So sollte das sein.
Vielen Dank und Grüße,
Thomas
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DocSchneider
Foren-Redakteur Häufig gelesener Autor
Registriert: Jan 2011
ich habe halt gedacht, sie hätte ihre Hexenfähigkeit einsetzen können, um sich schön zu machen und dann später ihr wahres Ich zu zeigen - eine ganz "normale" Frau und kein blondes Klischee.
Übrigens musste ich schmunzeln, dass sie ihren Fruchtcocktail schlürft. Das macht aber keine Dame. Ist auch meistens laut. Hat Martin es gehört?
Gruß DS
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