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"title":"Ina Müller und die Suche nach dem Liebeslied",
"description":"<p>Hamburg (dpa) - Da will Ina Müller endlich über ihr neues Werk sprechen - und dann das: Die, die in einem der neuen Lieder singt, dass sie manchmal irgendwie zu laut sei, ist einfach nur heiser. Kein Grund für die Vollblutmusikerin und TV-Moderatorin, Interviews abzusagen.</p><p>Mit dickem Schal um den Hals und heißem Getränk im Becher wird eben geflüstert. Zu erzählen hat die in Hamburg lebende Frau vom platten Land in Niedersachsen immer viel - ob in ihrer Talkshow «Inas Nacht», die gerade wieder mit neuen Folgen im Ersten angelaufen ist, oder in ihren Songs.</p><p>«Ich bin die» hat die 51-Jährige das am Freitag (28. Oktober) erscheinende Album genannt. Und ist sie wirklich so wie die, die der Titelsong beschreibt? «Die meisten Attribute, die man bei \"Ich bin die\" hört, haben wir in Schlagzeilen über mich gefunden», sagt die Entertainerin, die schon lange vor ihrer Karriere in Musik und Fernsehen als Kabarettistin Erfolg hatte. «Die, die brüllend auf dem Tresen steht, die immer viel zu laut mitsingt, die nicht zuhört, die immer unterbricht, gern mal einen hebt. Und ich glaube: Das alles trifft irgendwie auch zu.»</p><p>13 neue Stücke nach «Müllerin Art» - musikalisch zubereitet in einer Mischung aus Chanson, Pop und Country, textlich so frech und witzig wie nachdenklich und berührend. «Ich kann damit leben, dass das Formatradio mich nicht spielt, aber ich möchte, dass die Leute sich die Texte richtig anhören», sagt die Musikerin, die wieder mit Texter Frank Ramond zusammengearbeitet hat. «Die größte Herausforderung war es, auch nach den vorherigen Alben wieder neue Themen zu finden, die bei mir sind. Wir robben uns immer wieder ran und überlegen, was könnte es jetzt werden.»</p><p>Über Beziehungen und Trennungen, verpasste und genutzte Chancen singt sie ebenso wie übers Älterwerden und erste Krankheiten. Auch wenn sich enge Freunde in ihrem Alter träfen, werde «schon ständig über die ersten Krankheitsgeschichten gesprochen». Da gehe es dann um «Rücken, Reflux, Augenlasern oder Kniegelenke» - ganz so wie in ihrem Lied «Immer eine mehr wie Du». In «Wenn Du jetzt aufstehst» schaut ein junger Mann in der Bahn plötzlich wieder sehr genau hin - doch nicht etwa, um einer Frau wie ihr jetzt schon einen Sitzplatz anzubieten?</p><p>So ausgeflippt und quasselstrippig Ina Müller auch sein kann: Wenn sie fragt, «Wie Du wohl wärst» und damit Gedanken anspricht, die sich manche Frau macht, die nie ein Kind bekommen hat, ist das Gänsehaut pur. «Ich selber wollte nie Kinder, aber mir ist aufgefallen, dass sehr viele Frauen zu dem Thema eine Geschichte haben, das war mir gar nicht so bewusst», erzählte sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Und dann immer die Frage: Na, wann ist es denn soweit? So etwas kann sicher auch sehr quälen.» Bis zum letzten Album habe sie sich gefragt, wann das Thema in ihren Interviews keine Rolle mehr spielen werde.</p><p>Eine Premiere für sie ist «Sowas wie Glück»: «Zum ersten Mal habe ich ein ungebrochenes, reines Liebeslied auf dem Album. Also keine Trennung, kein Betrug, sondern Eins zu Eins ein Liebeslied.» Seit vier Alben habe Ramond sich die Finger dafür wundgeschrieben - ihr fehlte jedesmal «die Ironie oder eine kleine Pointe». Aber: «So richtig allein geschafft habe ich es ja auch diesmal nicht, es ist ein Duett geworden», erzählt sie über das Stück mit ihrem Kollegen Jan-Philipp Kelber. «Es musste mir also wieder jemand dabei helfen. Ich mag dieses Lied extrem gerne.» </p><p>Mit ihrem Freund, dem Musiker Johannes Oerding (34), komponierte sie wie beim vorangegangenen Album («48») auch diesmal einen Großteil der neuen Stücke nachts gemeinsam am Müller'schen Küchentisch. Getrennte Wohnungen will das Paar auch in Zukunft behalten: «Zusammenziehen steht auch weiterhin nicht an. Es gibt ein paar Sachen, die liegen einfach nicht auf meiner DNA – und Zusammenziehen und Ehe gehören dazu», sagt sie. «Ich frage mich auch, warum die Institution Ehe nicht abgeschafft oder wenigstens reformiert wird, bei der Fehlerquote, die es da gibt.»</p>",
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"title":"Very british: Madness haben Spaß am Altern",
"description":"<p>Berlin (dpa) - Eine wild wogende, fröhlich winkende Menschenmasse - das schaffen Madness bei ihren Konzerten auch nach 35 Jahren noch mit links, gerade erst wieder im Juni beim riesigen Glastonbury-Festival oder Anfang Oktober im Berliner Tempodrom.</p><p>Die vielköpfige Band ist seit ihren ersten Hits «One Step Beyond» und «My Girl» von 1979 eine britische Pop-Institution. Spätere Gassenhauer wie «Our House» oder «It Must Be Love» dürfen auch heute noch auf keiner 80er-Jahre-Party fehlen.</p><p>Die ewigen Londoner Ska-Straßenjungs um Sänger Graham «Suggs» McPherson, Pianist Mike Barson und Saxofonist Lee Thompson sind jetzt in Würde zu Mitt- und Endfünfzigern gereift. Ihr neues Album «Can't Touch Us Now» spielt mit eben diesem Klischee: Wir wollen eigentlich nicht erwachsen werden, aber wenn es schon sein muss, dann doch mit so viel Spaß wie möglich. Und: Ihr könnt uns nichts anhaben - wie auch der augenzwinkernd-selbstbewusste aktuelle Albumtitel der liebenswerten Madness-Irren klarmacht.</p><p>Konkret heißt das in ihrem Fall: «Can't Touch Us Now» ist eine überwiegend mächtig aufgedrehte, sehr britische Tanz-Schaffe mit 16 Songs, deren inhaltlicher Tiefgang eher zweitrangig ist. Man könnte auch sagen, dass Lieder wie «Good Times», «Grandslam» oder «You Are My Everything» mit ihren Texten nicht unbedingt zum Nachdenken anregen wollen. Das war bei Madness aber auch vorher fast nie der Punkt - obwohl das tolle Comeback «The Liberty Of Norton Folgate» (2009) als Konzeptalbum über einen alten Londoner Kiez durchaus beachtliches Songwriting-Niveau aufwies.</p><p>«Mr. Apples», die erste Single von der neuen Platte, ist nun noch vergleichsweise anspruchsvoll - der Song porträtiert einen Mann mit Doppelleben zwischen biederem Bürgerleben und heimlicher Spielsucht. «Tagsüber ist er eine Stütze der Gesellschaft - streng moralisch und  voreingenommen», sagt Suggs über diese Figur mit Jekyll-and-Hyde-Anklängen. «Wenn aber dann die Sonne untergegangen ist, trifft man ihn in den anrüchigen Stadtvierteln. (...) Mr. Apples ist ein wirklich böser Junge.»</p><p>Ansonsten nehmen sich die wieder mit Barsons hämmerndem Kneipen-Klavier, viel Gebläse und knackigen Rhythmen aufgepeppten Stücke von «Can't Touch Us Now» nicht allzu ernst. In Suggs haben Madness zudem einen Leadsänger, dessen einstige Lausejungenstimme zwar inzwischen einige Oktaven tiefergelegt und zigarettenrauchgegerbt klingt, der aber sein Entertainer-Geschäft weiterhin versteht - nicht nur als «Rampensau» für große Bühnen, sondern auch auf Tonkonserve.</p><p>Balladen sind allerdings nicht die große Stärke dieser Band, «Pam The Hawk» beispielsweise wäre verzichtbar gewesen. Zumal das Album mit fast einer Stunde Spielzeit ohnehin überlang ist und gerade zum Ende deutlich an Dynamik verliert. Ein spätes Meisterwerk wie «...Norton Folgate» ist Madness also diesmal nicht geglückt, sondern «nur» eine sehr solide Pop-Scheibe. Für den Tournee-Tingeltangel vieler Oldie-Bands aus den 70er und 80er Jahren sind Suggs & Co damit immer noch viel zu gut.</p>",
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"title":"Drittgrößte deutsche Kunstmesse zieht von Köln nach Düsseldorf",
"description":"<p><strong>Köln. </strong>Die drittgrößte deutsche Kunstmesse, die Art.Fair, zieht von Köln nach Düsseldorf. Die Messe werde die Kölner Messehallen verlassen und im November 2017 erstmals unter dem Namen Art Düsseldorf in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt stattfinden, teilten die Messe-Direktoren Andreas Lohaus und Walter Gehlen am Samstag mit. Damit hat Köln künftig die Art Cologne im Frü hjahr und Düsseldorf die Art Düsseldorf im Herbst.  <br /> <br /> Gehlen sagte, ausschlaggebend für den Umzug seien zum einen die Kaufkraft des blühenden Wirtschaftsstandortes Düsseldorf in Verbindung mit der rheinischen Sammlerszene und der Nähe zu den  Benelux-Ländern. Zum anderen sei das ehemalige Stahlwerk Böhler eine Location, die «wunderbare Möglichkeiten» mit «hoher Erlebnisqualität» eröffne. Lohaus und Gehlen verhandeln nach eigenen Angaben zudem über eine Zusammenarbeit mit der Messe Basel.  <br /> <br /> Berlin sei als Standort nicht in Frage gekommen, sagte Gehlen. Als Gründe dafür nannte er unzureichende Kaufkraft und ein zu kleines Einzugsgebiet. «Das Thema globale Messen ist verteilt, wir glauben an regionale Messen», unterstrich er. «Und da sind wir davon überzeugt, mit Düsseldorf den perfekten Standort zu haben.»  <br /> <br /> Die oppositionelle SPD-Fraktion im Kölner Stadtrat sprach am Samstag von einem «schweren Schlag für den Kunststandort Köln». Mit ihrem Fokus auf zeitgenössischer Kunst im niedrigpreisigen Bereich habe die Art.Fair auch breiteren Bevölkerungsschichten den Zugang zur Kunst ermöglicht. Sie sei damit eine ideale Ergänzung zur Art Cologne gewesen. SPD-Fraktionschef Martin Börschel warf der KölnMesse vor, mit der privat getragenen Messe von Anfang an gefremdelt zu haben. «Der Leidtragende dieser Entscheidung ist ganz klar die Kölner Kunstszene», kritisierte Börschel.  <br /> <br /> Ganz anders sieht es Art-Cologne-Direktor Daniel Hug. «Für Köln ist es definitiv nicht ein Verlust», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Art.Fair habe keine wichtigen Galeristen und bewege sich qualitativ auf niedrigem Niveau. Außerdem sei der Name Art.Fair - auf Deutsch: Kunstmesse - ein Problem gewesen, weil Kunstinteressierte im Ausland die Messe dadurch oft mit der Art Cologne verwechselt hätten. Das habe sich mit dem Umzug nun glücklicherweise erledigt. Wie erfolgreich die neue Messe werde, müsse man erstmal abwarten: «Gehlen und Lohaus haben es schon mal versucht in Düsseldorf, und das ist nach einem Jahr gescheitert», sagte Hug.  <br /> <br /> Die bisherige Art.Fair umfasst mehr als 100 ausstellende Galerien, die Hälfte davon kommt nach Angaben der Messe aus dem Ausland. Die Zahl der Aussteller solle nicht mehr erhöht werden, sagte Gehlen. Das Preisniveau ist deutlich niedriger als bei der Art Cologne, große Namen fehlen bisher unter den Ausstellern. Größte deutsche Kunstmesse ist die Art Cologne, gefolgt von der Art Karlsruhe. Als weltweit wichtigste Kunstmesse gilt die Art Basel. <em>dpa</em></p>",
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"title":"Tokio Hotel fühlt sich frei und plant eine Tournee",
"description":"<p>London (dpa) - Seit sechs Jahren leben die ehemaligen Teenie-Stars der Band Tokio-Hotel, Bill und Tom Kaulitz (27), in Los Angeles. Aus den Jungs von damals sind inzwischen Männer geworden. Doch vom Erwachsenwerden wollen sie nicht viel wissen.</p><p>Von März an sind sie mit ihrer neuen Show «Dream Machine» auch in Deutschland wieder auf Tournee. Auch ein neues Album soll bald kommen, wie die beiden im Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählen.</p><p>Frage: Ihr habt schon angekündigt, dass bei eurer Tournee auch neue Musik von euch zu hören sein wird, wann ist mit dem nächsten Album zu rechnen?</p><p>Tom: Wir sind permanent im Studio. «Dream Machine» wird auf jeden Fall auch der Name des nächsten Albums sein. Welche Form das haben wird und wie viele Songs es geben wird, behalten wir noch ein bisschen für uns.</p><p>Frage: Ihr habt gesagt, bei diesem Album sei das erste Mal eure ganze Seele dabei. Was meint ihr damit?</p><p>Tom: Wir sind zum ersten Mal auf jedem Level frei und können unsere Deals machen, mit wem wir wollen und können ins Studio gehen, mit wem wir wollen. Das genießen wir gerade am meisten. Dann kommen bestimmt wieder Phasen, glaube ich, wo sich das ändert und wo man Bock hat, auch mal wieder mit anderen Leuten ins Studio zu gehen.</p><p>Bill: Es gibt auch überhaupt keine strategischen Entscheidungen mehr. Wir gehen überhaupt nicht ins Studio und fühlen uns zu irgendwas verpflichtet, dass wir denken, wir müssten unbedingt einen Riesenhit schreiben. Es ist zum ersten Mal so, dass wir denken, wir machen nur das was wir wollen, und wir gucken überhaupt nicht darauf, was eine Plattenfirma oder ein Publikum von uns erwartet. Das ist so ein Punkt in unserer Karriere, wo wir zum ersten Mal richtig angekommen sind. Alles andere zählt nicht mehr für uns.</p><p>Frage: Würdet ihr sagen, es wird ein erwachsenes Album sein?</p><p>Bill: Für uns eigentlich fast das Gegenteil, wir versuchen gar nicht vernünftig oder erwachsen zu sein oder etwas zu machen, was sich erwachsen anfühlt, sondern was zu machen, was sich für uns natürlich anfühlt in dem Moment und uns die Naivität zu bewahren, die wir hatten, als wir angefangen haben - einfach alles zu machen, weil wir Spaß dran haben.</p><p>Was überwiegt bei euch an einer Tour, Stress oder Freude?</p><p>Tom: Freude überwiegt. Wir haben das Touring und Livespielen nie so sehr genossen wie letztes Jahr. Ich glaube deswegen wollten wir so schnell wieder auf Tour gehen und haben sie angekündigt, bevor das Album kommt. Letztes Jahr sind wir durch die ganze Welt getourt. Da haben wir alles mitgenommen, Amerika, Lateinamerika, Europa und Russland. Das hat so viel Spaß gemacht, dass wir das unbedingt wiedermachen wollen.</p><p>Bill: Wir sind echt fast kaum zuhause gewesen und gehen jetzt schon wieder auf Tour. Das ist wie eine andere Welt, das hat sich nie echter angefühlt. Das ist wahrscheinlich ein Ding von Älterwerden. Wir sind 1000-prozentig da und weniger abgelenkt.</p><p>ZUR PERSON: Die Pop-Rock-Band Tokio Hotel gehört zu erfolgreichsten Bands Deutschlands. Gründer und Frontmen sind die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz (27) aus Magdeburg. Seit 2005 haben sie mehrere Number-One-Hits veröffentlicht, auch internatinal hatten sie Erfolge. Ein viertes Album ist in Arbeit.  </p>",
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"title":"Bela B.: Gerne Glücksspieler oder Revolverheld",
"description":"<p><strong><span class=\"Fettschrift\">Bela,</span> Du bist ja gefühlt omnipräsent und ständig auf Tour. Wenn Du nun in einer Pause die Wahl hast - zu was greifst Du lieber, um zu entspannen: Zu einem Klassiker der Literatur, zu einem Krimi oder zum neuen „Walking Dead“-Zombie-Comic?</strong></p> <p><strong>Bela B.:</strong> Kommt drauf an… Ich liebe die „Walking Dead“-Comics. Aber die Hefte dieser Reihe kommen ja leider nur zweimal im Jahr raus. Die habe ich also binnen kurzer Zeit durch. Gleichwohl ist das bei mir dann auch ein Ritual: Sobald ich den neuen Comic in der Hand halte, lese ich genüsslich noch mal den vorherigen durch und widme mich dann der aktuellen Ausgabe. Aber: Ich lese natürlich auch Bücher. Das geschriebene Wort. Es muss nicht immer mit Bildern sein. (lacht)</p> <p><strong><span class=\"Fettschrift\">Und</span> Du stehst auf Filme …</strong></p> <p><strong>Bela B.: </strong>Absolut! Und daraus ist ja auch das „Sartana“-Projekt entstanden. Quasi aus einem großen Spaß, aus einer Freizeitbeschäftigung heraus: Ich schaue mir gerne Genre-Filme an: Horror, Action, Exploitation. Und eben Spaghetti-Western. Oder respektvoller ausgedrückt: Italo-Western.</p> <p><strong><span class=\"Fettschrift\">„Sartana</span> - noch warm und schon Sand drauf“: Überzeugte Cineasten dürften bei so etwas die Hände über dem Kopf zusammenschlagen …</strong></p> <p><strong>Bela B.:</strong> (lacht) Das ist natürlich schon ein sehr spezielles Genre. Eines, in dem es ab und an auch richtig zotig zugeht und in dem es Großartiges und Grottiges gleichermaßen zu entdecken gibt. Aber es existieren zig Bücher, die sich kulturwissenschaftlich damit auseinandersetzen. Insofern trifft auf diese Art des Films wohl Beides zu: Es ist Spaß und Ernst gleichermaßen. Ich bin auf jeden Fall ein riesiger Fan und tauche genussvoll in diese Welt ein.</p> <p><strong><span class=\"Fettschrift\">Ärzte-Konzerte</span> kennt jeder. Aber wie kann man sich Dein Live-Hörspiel in Concert auf der Bühne vorstellen?</strong></p> <p><strong>Bela B.: </strong>Das wird ein sehr bunter Abend, zu dem wir uns natürlich gebührend einkleiden werden. Wir zeigen Comicstrips von „Hellboy“-Zeichner Robert Schlunze – er ist ein alter Freund von mir. Es gibt die Hörbuch-Version mit Peta Devlin von Smokestack Lightnin’ und mir in den beiden Hauptrollen sowie zwei echten Sprecher-Titanen in allen anderen Rollen zu hören: Stefan Kaminski und Oliver Rohrbeck. Stefan wird neben seinen vielen Stimmen auch noch die Geräusche zum Hörspiel machen. Er ist eine Sensation! Er wechselt in einem Gespräch zwischen Sheriff und Bar-Schlampe – und man merkt nicht, dass das ein und dieselbe Person ist! Oliver wiederum ist ja schon eine Synchron- und Sprecherlegende...</p> <p><strong><span class=\"Fettschrift\">Zum</span> Beispiel als Stimme von Hollywood-Star Ben Stiller …</strong></p> <p><strong>Bela B.: </strong>Genau. Und auch als Drache Grisu oder Pinocchio. Aber: Ganz bestimmt jedem bekannt ist er als Justus Jonas aus „Die drei ???“. Ihn kenne ich noch aus alten Berliner Punk-Tagen. Wir hatten damals allerdings gar keine Ahnung von seinem Job.</p> <p><strong><span class=\"Fettschrift\">Du</span> erwähntest „Einkleiden“. Gibt es bei Bela B. daheim einen Kleiderschrank, in dem links die Ärzte- und rechts die Spaghetti-Western-Seite ist?</strong></p> <p><strong>Bela B.: </strong>(lacht) So ähnlich. Bei den Ärzten ist die Garderobe viel größer. Da muss ich immer etwas ganz Neues parat haben. Da überlege ich mir seit den 90ern traditionell für jede Tour andere Klamottenkombinationen, die ich dann bei den Konzerten trage – frei nach dem Motto: „Das Auge rockt mit“. Bei meinen Solo-Sachen spreche ich mich meistens mit Peta ab – mit kleinen Ausnahmen: Bei der letzten Tour mit ihr und Smokestack Lightnin’ habe ich beispielsweise das Remake eines Anzugs getragen, den Bing Crosby in den 50ern bei Viehauktionen anhatte. Ein bekannter Jeans-Hersteller hatte diesen Anzug in einer kleinen Serie neu aufgelegt und ich als der deutsche Bing Crosby bekam einen davon! Großartig!</p> <p><strong><span class=\"Fettschrift\">Wenn</span> Du die Wahl hättest: Welche Western-Figur würdest Du selber auf der Leinwand spielen?</strong></p> <p><strong>Bela B.: </strong>So eine Doc-Holliday-, Wyatt-Earp- oder Django-Figur. Also Glücksspieler, Revolverhelden und Typen, die gute Absichten haben, die aber immer so ein bisschen gebrochen sind und Raucherhusten haben.</p> <p><strong><span class=\"Fettschrift\">Stehen</span> Deine Ärzte-Kumpanen Farin und Rod eigentlich auch auf Spaghetti-Western und Horror-Filme – oder sind die eher genervt, wenn Du im Tourbus mit Deinen DVDs ankommst?</strong></p> <p><strong>Bela B.: </strong>Zumindest für Farin kann ich das bestätigen: Er ist auch großer Fan. In den 80ern haben er und ich uns gemeinsam einige Nächte mit Django oder mit Clint Eastwood in „Für eine Handvoll Dollar“ um die Ohren gehauen. Doch egal, mit wem ich gerade unterwegs bin: Ich habe im Tourbus auf jeden Fall bis heute immer eine gute Auswahl an Filmen dabei. Wobei ich zugebe: Das ist nicht immer einfach… Die Schmerzgrenze in Sachen Trash setzt bei anderen Leuten halt früher ein als bei mir. Ich habe beispielsweise Peta zwar dazu gebracht, zwei „Sharknado“-Filme mit mir zu gucken. Beim dritten hat sie dann aber gestreikt. (lacht)</p>",
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"title":"Neues Bauhaus-Museum Weimar soll bis 2019 stehen",
"description":"<p>Weimar (dpa) - Das 1919 in Weimar gegründete Staatliche Bauhaus bekommt an seinem Ursprungsort ein repräsentatives Museum aus Glas und Beton. Am Freitag wurde der Grundstein für den mehr als 22 Millionen Euro teuren Bau gelegt.</p><p>Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte: «Das Bauhaus ist weltweit eine Art Synonym für die Moderne an sich geworden und zeigt, wie stark Ideen Maßstäbe setzen können.» Es sei eines der erfolgreichsten deutschen Exportartikel des 20. Jahrhunderts.</p><p>Bis zum Gründungsjubiläum der Architektur- und Designschule 2019 soll der Beton-Kubus mit Glasbändern stehen. Auf rund 2250 Quadratmetern sollen dann ausgewählte Objekte Vorgeschichte, Entwicklung und Nachwirkungen des Bauhauses erzählen.</p><p>Das Neue Bauhaus-Museum entsteht an einem der kompliziertesten und spannendsten Orte der Stadt - an der Schnittstelle zwischen dem klassischen Weimar und dem einstigen NS-Gauforum. Die sensible bauliche Einordnung sei eine große Herausforderung und Chance, sagte Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke). Auf dem einst vernachlässigten Areal soll ein neues Museumszentrum entstehen - mit Neuem Museum, der geplanten Zwangsarbeiter-Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Buchenwald im NS-Gauforum und dem Neuen Bauhaus-Museum.</p><p>Den geometrisch strengen Beton-Kubus gliedern horizontale Glasbänder und unterbrechen nur wenige Fenster. Walter Gropius hatte das Bauhaus 1919 gegründet, 1925 musste es wegen reaktionärer Tendenzen in Thüringen nach Dessau ziehen. Später ging es nach Berlin, wo es auf Druck der Nationalsozialisten 1933 geschlossen wurde. Seine Künstler, darunter auch Gropius, zogen in alle Welt. In Tel Aviv etwa entstand eine der größten Bauhaus-Areale.</p><p>Laut Grütters zeigt die Vorbereitung des Jubiläums auch, dass die Bauhausstätten in Weimar, Dessau und Berlin nicht mit eineinander konkurrieren, sondern eng zusammenarbeiten. Die drei ergänzten sich und gehörten zusammen, sagte sie. In Dessau wird ebenfalls ein neues Museum gebaut, das in Berlin wird entscheidend erweitert.</p><p>2007 hatte der Bundestag beschlossen, dass der Ursprungsort Weimar ein neues Bauhaus-Museum braucht. Bis jetzt werden Exponate in einem Provisorium gezeigt. Allein die Standortsuche dauerte mehrere Jahre. Es gab bis zuletzt immer wieder Einsprüche und Proteste.</p><p>Erste Planungen der Klassik Stiftung Weimar gingen davon aus, dass der Architekturentwurf der Berlinerin Heike Hanada bereits 2014 hätte verwirklicht sein sollen. Der Termin wurde immer wieder verschoben und ist jetzt auf Ende 2018/Anfang 2019 terminiert. Sowohl Grütters als auch Hoff sicherten der Stiftung jegliche Unterstützung zu.</p>",
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"title":"Castorf über «Faust»: «Aus der Zerstörung wächst was Neues»",
"description":"<p>Stuttgart (dpa) – Der Kultregisseur Frank Castorf (65) widmet sich in dieser Spielzeit gleich zweimal dem Faust-Stoff: einmal mit Goethes Werk zum Abschied als Intendant der Volksbühne Berlin und bereits an diesem Sonntag (30. Oktober) in Stuttgart mit der Oper von Charles Gounod. Der unlängst zum Opernhaus des Jahres gekürte Musentempel startet mit der Castorf-Premiere in die neue Spielzeit.</p><p>Frage: Zweimal Faust in einer Spielzeit. Werden Sie Ihrem Ruf als Stücke-Zertrümmer gerecht?</p><p>Antwort: Die Frage ist ja immer, was daraus entsteht, wenn etwas zerstört ist: Bleibt es so liegen? Oder entsteht etwas Neues? Das ist ein sehr dynamischer Prozess, etwas Lebendiges. So ist es auch bei dem «Faust» von Goethe, den man eigentlich nicht spielen kann. 16 000 Verse, das ist nicht zu fassen. Da ist die berühmte Wette zwischen Hölle und Himmel. Wie die Wette ausgeht, ist auch bei Goethe offen. In Gounods Oper ist Mephisto ein Lifestyle-Ermöglicher. Der fragt nicht, der kommt. Der andere, Faust, ist ein Flaneur. Es ist eine simple Geschichte.</p><p>Frage: Welche Parallelen entstehen da zum Jetzt und Heute?</p><p>Antwort: Der Begriff der Demokratie wird fast inflationär gebraucht. Denjenigen, die Geld haben, die den Genuss organisieren, geht es darum, dass sie ihr Leben leben wollen. Ihre Moral ist immer etwas Doppeldeutiges. Sie ist ein Spiegelbild der Verlogenheit. Die Oper spielt in Paris, wo sich die Halbwelt mit der Welt mischt. Dazu gehört, das Leben im Genuss zu vernichten. Mode und Geltung sind wichtig – und die junge Frau an seiner Seite. Es geht um die Sucht der Triebbefriedigung. Darum geht es Faust. Ihn interessiert nicht, was die Welt im Innersten zusammenhält. Der wird nie sagen zum Augenblick: Verweile doch Du bist so schön. Wenn er diesen einen genossen hat, dann will er den nächsten Augenblick haben.</p><p>Frage: Und die Frau, Margarethe?</p><p>Antwort: Sie ist wie eine Halbweltdame, eine Frau mit Vergangenheit. Sie wird bekennen, dass sie ihn geliebt hat – und der Mann wird die Hände die Hostentaschen stecken und weiter flanieren zum nächsten Abend. Der Teufel ist da längst weg. Jeder von uns braucht so einen Teufel. Es geht nicht mehr um Bildung, Theater – es geht um Lifestyle. Luxus und Mode sind wie Suchtmittel. Keiner will darauf verzichten - mich eingeschlossen. Es ist ein extremer Individualismus.         <br /><br />Frage: Was wird aus dem Individualisten Castorf - in Berlin verabschieden Sie sich auch mit «Faust». Wie geht es dann nach einem Vierteljahrhundert an der Volksbühne weiter?       </p><p>Antwort: Ein Vierteljahrhundert ist – wie für Faust – nichts. Ich arbeite weiter. Es hat aber natürlich einen Nachteil, einen Produktionsbetrieb, in dem man nach eigenen Interessen und noch völlig frei arbeiten kann, zu verlieren. Das Produktionsmittel nicht mehr in der Hand zu haben, ist was Neues für mich. Dann ist man wieder auf Wanderschaft, ist wieder Handelsvertreter.          <br />Alles muss sich verändern, um weiter zu leben. Die Volksbühne, die eine lange Tradition mit mir, mit Erwin Piscator, Max Reinhardt, Benno Besson und mit Heiner Müller hat, wird zerstört werden, ganz einfach. Aus der Zerstörung wächst was Neues. Und dann werden wir sehen, was daraus entsteht.       </p><p>ZUR PERSON: Der am 17. Juli 1951 als Sohn eines Eisenwarenhändlers in Ost-Berlin geborene Castorf machte als Außenseiter in der DDR-Theaterprovinz früh auf sich aufmerksam. Nach einem Studium der Theaterwissenschaften ging er zunächst als Dramaturg zum Theater der Bergarbeiter in Senftenberg. Seit 1989 inszenierte Castorf auch in Westdeutschland. 1992 wurde er Intendant der Berliner Volksbühne. Am 7. November erhält für sein Lebenswerk den Nestroy-Preis. Der Wiener Bühnenverein würdigt Castorf als Theatermachter, der «wie ein Tropensturm so manche festgefahrenen Strukturen auf der Bühne» durcheinandergewirbelt.</p>",
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"pub_date":"28 Oct 2016 17:13",
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"title":"Uraufführung «Point Of No Return» in München",
"description":"<p>München (dpa) - Wo warst Du beim Amoklauf? Das Theaterstück «Point Of No Return» hat das auf die Bühne der Kammerspiele gebracht, worüber die Münchner in der allerjüngsten Vergangenheit mutmaßlich am meisten gesprochen haben.</p><p>Die israelische Regisseurin Yael Ronen zeigt nur rund drei Monate nach der schrecklichen Tat vom 22. Juli, bei der der 18-jährige David S. im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und sich selbst erschoss, was an diesem denkwürdigen Abend in den Köpfen der Münchner vorging.</p><p>Ungeheuer eindringlich und vor allem mit entlarvendem Humor zeigt das Stück am Donnerstagabend bei der Uraufführung, wie an dem Mehrfachmord unbeteiligte Menschen sich an diesem Abend vor allem Sorgen um das Bild machten, das sie abgeben, über die Rolle, die sie an diesem denkwürdigen Abend spielen wollten. Dafür verschwimmen in dem deutsch-englischen Stück die Rollen der Schauspieler mit den Darstellern selbst.</p><p>«Ich bin einfach angefangen, zu rennen - ohne zu fragen, warum», sagt der Australier Damian Rebgetz auf der Bühne. «Ich wollte schließlich nicht uninformiert wirken.» Dejan Bućin schildert, wie er in dem Billig-Klamottenladen, in dem er sich verschanzt, nach einem Ladekabel für sein Handy sucht, um sich auf Facebook mitzuteilen («In diesem Moment starb das Handy in meinen Armen»). «Ich dachte, das sind Touristen; sie machen so komische Dinge - oder sie suchen Pokémon», sagt die Serbin Jelena Kuljić über die panischen Massen in der Münchner Innenstadt.</p><p>Und Wiebke Puls lässt ihr Bühnen-Ich zunächst verkünden: «Mein erster Gedanke war: Wow, wir sind die Ersten - und nicht Berlin» - um schließlich die Enttäuschung kundzutun, die sich ausbreitete, als klar war, dass es sich nicht um einen Terroranschlag, sondern um einen Amoklauf handelt. «Wie peinlich.» Niels Bormann erzählt von dem Traum, wie er seinen französischen Freunden den Satz «Je suis Munich» ins Deutsche übersetzt.</p><p>Es sind die Karikaturen ihrer selbst, die Ronen den Darstellern abverlangt. «Du vergrößerst sie, wie ein verzerrter Spiegel», sagt sie in einem Interview im Programmheft zur Inszenierung. In einem solchen Spiegel, der die Bühnenwände ziert, sehen die Zuschauer nicht nur die Darsteller aus den unterschiedlichsten Perspektiven, in denen sich ihre Aussagen - wie die Gerüchte am Abend des Amoklaufes - multiplizieren. Das Publikum sieht auch die ganze Aufführung lang sich selbst. Schließlich will das Stück das Seelenleben der Münchner an diesem Schreckensabend widerspiegeln.</p><p>Eigentlich wollte die Regisseurin sich unter dem Titel «Point Of No Return» damit beschäftigen, wie die Zukunft des Sex in Zeiten von Dating-Apps und Cyber-Sex aussehen kann - doch dann, schon während der Proben, kam der Amoklauf und stellte alles auf den Kopf. Nun geht es auf der Bühne darum, wie die schreckliche Realität sich mit Angstvorstellungen und falsch verstandenen Erwartungshaltungen verbindet und noch schrecklichere Szenarien auf den Plan ruft. Am Abend des Amoklaufes kam es durch die Anrufe ängstlicher Bürger bei der Polizei zu mehr als 60 falschen Terroralarmen in der ganzen Stadt.</p><p>Passenderweise ist die Bühne (Wolfgang Menardi), auf der die Darsteller vor allem monologisieren, ein in Schieflage geratenes Zerrbild, auf dem nur eine kleine Insel mit grünen Bäumen, Rehen und Hirschen an das bayerische Idyll erinnert.</p><p>«Es fühlte sich nicht nur an wie das Attentat eines Einzelnen, sondern wie der Beginn von etwas, das die gesamte Stimmung verändert», sagte Ronen. «Als ob jeder so etwas erwartet hätte, um dann schließlich wie in einem Spiel in ein neues Level aufzusteigen.» Ein Punkt, von dem eine Umkehr nicht mehr möglich ist.</p><p>Misstrauen und Verdächtigungen gibt es schließlich nach dem Amoklauf und den Terroranschlägen von Paris, Brüssel, Ansbach und Würzburg zuhauf. «Ich finde es verdächtig, wenn die Leute ihre Häuser verlassen», sagt Rebgetz auf der Bühne. Wozu denn auch? Man könne doch schließlich alles online bestellen.</p><p>Nach anderthalb Stunden werden die Schauspieler und das Regie-Team gefeiert, die den Münchnern an diesem Abend vor allem zurufen: Entspannt Euch wieder! «Ich möchte Sie an etwas erinnern: Sie werden sterben», sagt Bormann direkt zu Beginn der Aufführung zum Publikum: «Soweit ich weiß, ist das nicht verhandelbar.»</p><p>Schade ist nur, dass Regisseurin Ronen sich nicht auf die Kraft der Satire verlässt, sondern Darsteller Bućin in aller Breite referieren lässt, was statistisch gesehen eine größere Gefahr darstellt als der globale Terror - nämlich so ziemlich alles: angefangen vom Herzinfarkt über Krebs und Diabetes bis hin zum besten Freund des Menschen, dem Hund. Dabei hätte es diese etwas platte Moralkeule gar nicht gebraucht. Der Theaterabend ist auch so ebenso beeindruckend wie unterhaltend. Ein wichtiger Beitrag gegen die Hysterie.</p>",
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"pub_date":"28 Oct 2016 11:23",
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"title":"«Unplugged»-Familientreffen bei Westernhagen",
"description":"<p>Berlin (dpa) - Der Abend endet, wie er begonnen hatte: Mit Jonny Walker. Vor dem «Unplugged»-Konzert in der Berliner Volksbühne werden Drinks auf Basis des Whiskys im Foyer ausgegeben. Als Zugabe spielt Westernhagen seine berühmte Hymne auf das Getränk. Und natürlich ist «Jonny W» auch das letzte Lied des dazugehörigen Albums, das an diesem Freitag (28. Oktober) erscheint.</p><p>Daneben gibt es zahlreiche Hits aus mehreren Jahrzehnten: Von «Mit 18» und «Sexy» über «Weil ich Dich liebe» und «Freiheit» bis «Wieder hier» und «Alphatier» - jeweils «unplugged», also ohne elektronische Verstärker. Aber bisweilen auch neu interpretiert und mit Unterstützung besonderer Künstler.</p><p>«Wenn ich schon Gäste habe, sollte ich zu ihnen eine Beziehung haben», sagt der 67-Jährige. So spielt sein alter Kumpel Udo Lindenberg zu «Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz» Schlagzeug. Bei dem «Panikrocker» sowie Komiker Otto Waalkes hatte Westernhagen einst in der Hamburger WG gehaust.</p><p>Mit seiner Lebensgefährtin und «Angebeteten», der südafrikanischen Sängerin Lindiwe Suttle, präsentiert Westernhagen das neue Lied «Luft um zu atmen». Ein besonderer Höhepunkt ist das Duett mit Tochter Mimi (31). Die beiden singen den Klassiker «Lass uns leben», es ist der erste gemeinsame Auftritt überhaupt. «Sie war sehr nervös, aber sie hat es auch lange genug rausgeschoben», sagt der Vater.</p><p>Fünf Jahrzehnte ist Westernhagen mittlerweile als Musiker aktiv. Und die Frage ist berechtigt, warum er nicht schon viel früher auf den berühmten Barhockern der «Unplugged»-Reihe Platz genommen hat. Rief der Musiksender MTV doch bereits 1989 – als Westernhagens Karriere gerade den Höhepunkt anstrebte – die Reihe ins Leben. Zu den bekanntesten Auftritten gehören die von Eric Clapton und der Grunge-Band Nirvana. Herbert Grönemeyer war 1994 als erster deutschsprachiger Künstler dabei. Später folgten Die Fantastischen Vier, Die Toten Hosen, Udo Lindenberg, Revolverheld und Cro.</p><p>Er habe bereits vor vielen Jahren ein Angebot bekommen, erklärt Westernhagen. «Aber ich habe mich damals nicht dazu bereit gefühlt. Für mich ist das eine Königsdisziplin, eine Werkschau.» Es gehe darum, mit Sorgfalt, Ehrgeiz und Ernsthaftigkeit an das Projekt heranzugehen. Die Songs «neu zu bearbeiten, neu zu empfinden». «Ich halte gar nichts davon, einfach das gleiche zu spielen wie immer – nur mit Akustikgitarren. Das kann es nicht sein und das hätte mich auch nicht interessiert.»</p><p>Und in der Tat: Zu hören gibt es einen Künstler, der sichtlich Freude daran hatte, seine Musik in familiärer Atmosphäre und teils im neuen Gewand zu präsentieren - nicht zuletzt durch die Wahl der mitwirkenden Gäste. Neben Tochter Mimi und WG-Kumpel Lindenberg ist auch Selig-Sänger Jan Plewka dabei, mit dem Westernhagen eine energiegeladene Version von «Mit 18» liefert. Dazu kommt ein Duett mit der Straßenmusikerin Elen zu «Durch Deine Liebe».</p><p>Überraschend ist ein englisch-deutsches Cover von «Heroes», eine Hommage an den im Januar 2016 gestorbenen Superstar David Bowie. Keine leichte Aufgabe: «Du versuchst schon, dem Geist von Bowie gerecht zu werden», sagt Westernhagen. «Denn du willst natürlich nicht, dass sich der Meister im Grab umdreht.»</p><p>An zwei Abenden hatte der Sänger im Sommer in die Berliner Volksbühne geladen. Regisseur Fatih Akin («Tschick», «Gegen die Wand») setzte die Auftritte für die DVD filmisch in Szene. Westernhagen habe ihm damit ein Geschenk gemacht, erklärt der Regisseur. «Musik ist Essen für die Seele, und er hat mir ein vorzügliches Menü serviert.»</p><p>Kein Wunder: Schließlich blickt der gebürtige Düsseldorfer auf eine enorme Karriere zurück. Mit Alben wie «Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz» feierte der Schauspieler («Theo gegen den Rest der Welt») Ende der 70er Jahre größere Erfolge. Der ganz große Triumph kam ab 1989. Die Hymne «Freiheit» geriet zum Soundtrack der Wiedervereinigung. Mit Alben wie «Halleluja», «Ja Ja» und «Affentheater» wurde er zum Superstar, der Massen zu seinen Shows in die Stadien zog.</p><p>Doch der Hype sei ihm zu riesig geworden, sagte Westernhagen. 1999 verabschiedete er sich von den ganz großen Bühnen und zog fortan kleinere Konzertauftritte vor. Und bei seinem Auftritt in der Volksbühne sagt der gerührte Gastgeber: «Wir haben so viele Konzerte gespielt vor Tausenden Leuten, aber die beiden Abende hier übertreffen alles.» Denn: «Es geht um die Musik.»</p>",
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"pub_date":"28 Oct 2016 10:32",
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"title":"Skulpturenpark zeigt Anne und Patrick Poirier",
"description":"<p><strong>Wuppertal</strong>. Man kommt aus dem Schauen gar nicht mehr heraus: Über neun mal sieben Meter erstreckt sich das Architekturmodell eines Stadtzentrums, alles ist großzügig und luftig angelegt: Straßen, Hallen, Tribünen, Treppen und die pyramidal wirkenden Türme.</p> <p>„In den Arbeiten von Anne und Patrick Poirier ist etwas übrig geblieben von einer lebendigen Zeit, gleichzeitig sehen sie futuristisch aus. Sie gucken gleichzeitig in die Vergangenheit und in die Zukunft – sind also eigentlich zeitlos“, sagt der Bildhauer Tony Cragg, der neben einem Querschnitt durch das Schaffen die Hauptwerke des französischen Künstlerpaars bis Januar in beiden Ausstellungshallen seines Skulpturenparks in Unterbarmen zeigt.</p> <p>„Es ist wie ein Bienenstock, wenn die Bienen weg sind, oder wenn die Figuren in ,Star Trek’ auf irgendeinem Planeten Ruinen entdecken: Man fragt sich, was das für ein Gebilde sein kann.“</p> <p style=\"text-align: center;\"><strong>Seit 50 Jahren arbeitet das Künstlerpaar zusammen </strong></p> <p>Es ist das, was übrig bleibt, wenn das Leben verschwunden ist – trockenes Material, in das man Freude und Gedanken, Liebe und Lachen erst wieder hineindenken muss.</p> <p>Seit 50 Jahren arbeiten Anne und Patrick Poirier als eines der seltenen Künstlerpaare zusammen, seit ihrer gemeinsamen Studienzeit ab 1967 in der Villa Medici in Rom. Mit ihren Werken, die sich der Erinnerung und der Vergänglichkeit der Existenz widmen, sind sie seit den 70er Jahren in Ausstellungen weltweit vertreten. Sie haben an mehreren Biennalen und der Documenta 6 (1977) teilgenommen. Der Aachener Kunstsammler Peter Ludwig war einer der ersten, der 1971 ihre Arbeiten gekauft hat.</p> <p>„Wir sind beide in einer eher traurigen Zeit geboren – 1942“, sagt Patrick Poirier über sich und seine Frau. In beiden Familien habe es unter der deutschen Besatzung „schwierige Erfahrungen“ gegeben. „Ende der 60er Jahre sind wir in den Nahen und Fernen Osten gereist – überall war oder drohte Krieg.“ Aus diesen Erfahrungen wissen sie, wie fragil persönliche und kulturelle Erinnerungen sind: „Die Dinge verschwinden ganz schnell und sind dann für immer vergessen.“</p> <p>Das rücken Arbeiten wie die Modelle Mnémosyne 1 und 2, die von türkischen Ausgrabungsstätten inspiriert sind, ins Bewusstsein. Zugleich bieten diese Stadtansichten eine psychologische Kartographie, schon ihr Grundriss ist oval wie der eines Gehirns. „Die Baukomplexe entsprechen verschiedenen Bereichen des Gehirns wie das zentrale bildliche Gedächtnis, ein Reservoir für Bilder der Melancholie, eins für Bilder der Sinnlichkeit - alles gruppiert um einen Tempel des Vergessens“, erklärt Anne Poirier.</p> <p>Die monumentalen Skulpturen sind ein Angebot. „Es gibt einige Hinweise auf den Zeichnungen an den Wänden“, sagt Patrick Poirier, „wir haben natürlich Ideen, aber wir überlassen es dem Betrachter, die Reservoirs mit eigenen Bildern zu füllen.“ Die Zeichnungen und poetischen Prozesse an den Wänden lassen den komplexen Entstehungsprozess erahnen. Tony Cragg: „Man muss sich an das Modellhafte ein bisschen gewöhnen. Aber je länger man davorsteht, desto mehr denkt man sich in die Funktionen dieses Areals hinein, desto mehr Leben fügt man dem Skelett hinzu.“</p> <p>„Raumschiff Enterprise“ lässt grüßen: Wie ein ringförmiges Ufo im Abflug schwebt „Ouranopolis“ in der oberen Halle. Wer das strahlend weiße Objekt mit einem Durchmesser von 4,50 Metern umwandert, kann durch klitzekleine Bullaugen ins Innere und in lange Gänge und weitläufige Innenhöfe sehen: ganz nah und entrückt zugleich.</p> <p>Die Ideen des Künstlerpaares speisen sich aber nicht nur aus der Vergangenheit. Ein Teppich aus Wolle, Seide und Bambusfaser zeigt in Grau und Schwarz einen antik wirkenden, verwischten Stadtplan. Doch die Arbeit von 2015 trägt den ebenso knappen wie aussagekräftigen Titel „Aleppo“.</p>",
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"author":"Anne Grages",
"pub_date":"27 Oct 2016 21:54",
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"title":"Medienkunstpreis NRW geht an Beiruter Künstler Abu Hamdan",
"description":"<p>Essen (dpa) - Für seine Installation «Earshot» erhält der in Beirut und London lebende Künstler Lawrence Abu Hamdan den mit 25 000 Euro dotierten Internationalen Medienkunstpreis der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen. Das teilte das Museum Folkwang am Donnerstag in Essen mit. In der Arbeit befasst sich der 1985 in der jordanischen Hauptstadt Amman geborene Spezialist für Tonanalyse mit den tödlichen Schüssen israelischer Sicherheitskräfte auf zwei palästinensische Jugendliche 2014. Die Installation, die die Schüsse visualisiert, war im Frühjahr bereits im Frankfurter Portikus zu sehen.</p> <p>In der Begründung der Jury heißt es: «Das Thema der Darstellung von Gewalt ist von großer zeitgenössischer Relevanz.» Für den Internationalen Nam June Paik Award waren insgesamt vier Künstler nominiert. Ihre Arbeiten sind noch bis zum 8. Januar im Museum Folkwang zu sehen. Der nach dem koreanischen Medienkünstler Nam June Paik (1932-2006) benannte Preis wird alle zwei Jahre verliehen.</p> <p>Der weitere mit 15 000 Euro dotierte nationale Preis geht an Tamaki Watanabe und Walter Zurborg.</p>",
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"title":"Schauspieler Manfred Krug mit 79 Jahren gestorben",
"description":"<p>Berlin (dpa) - Der Schauspieler Manfred Krug ist tot. Er starb bereits am vergangenen Freitag im Alter von 79 Jahren im Kreis seiner Familie zuhause in Berlin. Das teilte sein Management mit. «Er wünschte sich eine Bestattung im engsten Familienkreis.»</p><p>Zu Krugs bekanntesten Rollen gehörten der unangepasste Zimmermann Hannes Balla im DDR-Film «Spur der Steine», der «Tatort»-Kommissar Paul Stoever für den NDR, der Anwalt in der Serie «Liebling Kreuzberg» und nicht zuletzt ein Truckerfahrer in «Auf Achse». Zuerst hatte die «Bild»-Zeitung online über Krugs Tod berichtet.</p><p>Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Krug als einen der glaubwürdigsten und populärsten Schauspieler unserer Zeit. In einem Kondolenzschreiben an Krugs Frau Ottilie schrieb Gauck: «In vielen Rollen im Fernsehen, im Kino und auf der Bühne hat er uns in seiner wundervollen Art Schwächen und Stärken der Menschen vor Augen geführt.»</p><p>Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte Krug als «herausragenden Schauspieler und unverwechselbaren Charakterkopf». Er habe «mit seiner virtuosen Kunst ein Stück deutsch-deutsche Film- und Fernsehgeschichte geschrieben».</p><p>Der Schauspieler, Autor und Musiker Krug          <a href=\"dpa_urn-newsml-dpa-com-20090101-161027-99-964865\">wurde 1937 in Duisburg geboren und kam als Kind 1949 in die DDR</a>. 1977 ging er nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann wieder in den Westen. Im April 2013 erhielt der in Ost wie West erfolgreiche Künstler das Bundesverdienstkreuz.       </p><p>Krug war einer der populärsten Film- und Fernsehschauspieler in der DDR und hatte 1976 die Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet. Eine seiner Paraderollen hatte er als aufmüpfig-anarchistischer Baubrigadier in «Spur der Steine». Der 1965 gedrehte Film von Frank Beyer war in der DDR nicht lange in den Kinos und lag dann mehr als 20 Jahre im Giftschrank.</p><p>Zuletzt war es stiller geworden um den erfolgreichen Schauspieler. Krug hatte sich anders als viele Kollegen mit dem Rentenalter aus dem Schauspielgeschäft zurückgezogen, war aber weiter als Musiker aktiv. Er war ein Multitalent, nicht nur ein knorriger Schauspieler, sondern auch Buchautor und Sänger.</p><p>Krug hatte eine Ausbildung als Stahlschmelzer gemacht. Aber er sagte einmal über sich, er sei «als Schauspieler auf die Welt gekommen». In frühen Jahren verehrte er besonders Hollywoods Star-Cowboy Gary Cooper.</p><p>Krug, der vier Kinder hinterlässt, hatte viel zu erzählen. In der DDR war er der «Tausendsassa der DEFA-Filme», wo er in den Babelsberger Studios seit 1961 unter Vertrag stand. Später war er im Westen das liebenswerte und auch manchmal ruppige «Raubein, das von drüben kam», wie ihn Zeitungen nannten.</p><p>Von 1969 bis 1973 wurde er in der DDR mehrmals zum Publikumsliebling gewählt. Später fand er auch in der Bundesrepublik - nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Ängsten - den beruflichen Anschluss: Hier ermittelte er von 1984 bis 2001 als brummiger wie musikalischer und regelmäßig singender «Tatort»-Kommissar Stoever im Duo mit Charles Brauer in Hamburg.</p><p>Als «Liebling Kreuzberg» spielte er den populären Anwalt, der ein Herz für die kleinen Leute hat. Im ARD-Vorabendprogramm war Krug jahrelang der abenteuerlustige Truckerfahrer, der weltweit «Auf Achse» war.</p><p>Gesundheitliche Warnhinweise wie ein Schlaganfall 1997 in seiner Berliner Wohnung, von dem er sich ironischerweise in einer Rehaklinik auf dem Gelände der einstigen «SED-Bonzensiedlung» Wandlitz erholte, hatte Krug denn doch nicht ganz ignorieren wollen. Es wurde in den vergangenen Jahren stiller um ihn - bis auf seine musikalische Ausflüge als Jazzinterpret und Chansonsänger («Es steht ein Haus in New Orleans») an der Seite von Sängerin Uschi Brüning.</p><p>Roswitha Schreiner, die Krugs TV-Tochter Sarah in «Liebling Kreuzberg» spielte, reagierte tief betroffen. «Ich muss mich erstmal sortieren, es geht mir unheimlich nah. Er war mein Fernsehpap», sagte sie Focus Online. «Er hatte Rückgrat. Er stand ein für seine Überzeugungen. Er war unkorrumpierbar und geradlinig. Das haben die Zuschauer bewusst oder unbewusst gespürt. Deshalb war er so beliebt.»</p><p>Schauspieler Michael Kausch, der in «Liebling Kreuzberg» den Rechtsanwalt Giselmund Arnold spielte, sagte dem Sender SWRinfo zum Tod von Krug: «Es berührt mich schon mehr, als ich es im Augenblick ausdrücken kann.» Geschätzt habe er die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit von Krug - auch wenn der Schauspieler ein schwieriger Mensch gewesen sei. «Er war ziemlich impulsiv und aufbrausend und auch sehr ungerecht gegenüber Mitarbeitern. Was er gedacht hat, das hat er einfach losgepoltert. Aber was ich immer geschätzt habe, war, dass er überhaupt keine Taktik gefahren ist.»</p><p>Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) reagierte mit Betroffenheit auf die Nachricht von Krugs Tod. «Wir verdanken diesem großartigen Schauspieler viele unterhaltsame und anregende Stunden», erklärte Müller. «In jeder Rolle war Krug unverkennbar, er war ein Typ, den man nicht vergessen konnte. Seine große Leistung liegt darin, dass er erst in Ost, dann in West und schließlich in ganz Deutschland ein Star geworden ist.»</p><p>Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel sagte in SWRinfo, Krug sei einer der wenigen Künstler gewesen, der nach einer Karriere in der DDR auch im damaligen Westdeutschland den Durchbruch geschafft habe. «Dass er im Osten schon eine Kultfigur war, ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, dass er dann eben im Westen als einer der ganz wenigen es geschafft hat, seine Qualität durchzusetzen und weiterhin oben zu bleiben.»</p>",
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"title":"Marion Ackermann: „Das Tolle im Rheinland ist die Toleranz“",
"description":"<p><strong>Düsseldorf.</strong> Marion Ackermann vertauscht die Landeshauptstadt am Rhein mit der Metropole an der Elbe. Sieben Jahre hat sie die Kunstsammlung NRW geführt und mit ihrem Charme die Sammlungen enorm bereichert. Allein die 40 Aquarelle und das Ölbild von Malewitch, die sie geschenkt bekam, oder die Sammlung Konrad und Dorothee Fischer sind jeweils zweistellige Millionensummen wert. Dennoch erklärt sie im Rückblick, sie würde heute in Düsseldorf vieles anders machen.</p> <p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Museen müssen den europäischen Blick aufgeben</strong></p> <p>Sie würde dann vor allem das Museum globaler ausrichten. Ackermann hat ihre Forschungsarbeit darauf ausgerichtet, sie hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in die Maghreb-Staaten begleitet, aber hat das „museum global“ nicht wirklich verfolgt, weder in Ankäufen noch in Ausstellungen. Nun sagt sie: „Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Wir müssen die Moderne global sammeln, wie sie etwa in den 1960er Jahren in Brasilien, Indien und der Türkei zutage trat.“</p> <p>Auch die Bildungsarbeit müsse künftig als weiterer Schwerpunkt verbessert werden. Wie ihr Kollege Beat Wismer vom Museum Kunstpalast erklärt sie, sie hätte gern mehr Studenten der Akademie im Museum gesehen. Studenten kamen aber nur, wenn die Professoren die Klassen begleiteten. Dabei gab sie sich mit einer bestens ausgestatteten pädagogischen Abteilung alle Mühe. Aber: „Wir können noch so viele Werkstätten, Führungen und Kurse anbieten, wir erreichen zu wenig Kinder, Jugendliche und Studenten.“ Man habe eine Schulklasse über viele Monate hinweg begleitet, mitsamt den Eltern. Aber eben nur eine einzige Klasse.</p> <p style=\"text-align: center;\"><strong>„Leben-und-Leben- Lassen sind im Rheinland beispielhaft.“</strong></p> <p><span class=\"Fettschrift\">Marion Ackermann,</span> Landesgalerie</p> <p>Neil McGregor, in den 1990er Jahren Chef der Nationalgalerie in London, ließ Künstler wie Bill Viola im Museum leben und ein Studio führen. Berühmte Sammlungen, so ihre Vorstellung, könnten Anreize für die künstlerische Produktion geben. Sie sagt: „Sammeln, bewahren, vermitteln, ausstellen und schaffen sollten die Aufgaben für das Museum der Zukunft sein.“</p> <p style=\"text-align: center;\"><strong>Eine offene Werkstatt kann die lokale Produktion ankurbeln</strong></p> <p>Dresden hat eine große Tradition in Musterbetrieben wie Hellerau. Aber der Gedanke, mit Handwerkern zu arbeiten, sollte nicht nur auf Dresden beschränkt sein. Das Handwerk könnte eine Verbindung zum Menschen herstellen, über die Materialität und die Sinnlichkeit.</p> <p>Ackermanns Beispiel ist William Kentridge. Der südafrikanische Künstler führt in Johannesburg eine offene Werkstatt, wo er seine Werke produziert. Die Verankerung also in der lokalen Produktion sei wichtig, dennoch müsse die Kunst international bleiben. Ziel sei es, das eigene Lernen zu einem öffentlichen Lernen zu machen.</p> <p>Marion Ackermann übernimmt als Generaldirektorin in Dresden einen Verbund von 15 Museen. Dennoch hält sie eine Generaldirektion für die Ausnahme. In Dresden sei es die Wunderkammer-Idee von August dem Starken gewesen, wodurch viele Sammlungen entstanden seien. In Düsseldorf sei es die gewachsene Vielfalt – und die müsse bewahrt werden. Sie sagt: „Solche Räume, die der freien Kunst gewidmet sind, müssen ihre Stärke und ihre Autonomie bewahren. Man muss in Düsseldorf gar nicht so viel tun. Es ist schon alles da.“</p> <p>Auch in der Kulturpolitik für NRW sieht sie keinen großen Korrektur-Bedarf, wenn sie sagt: „Das Tolle im Rheinland sind die Menschen. Sie sind sehr emotional und sehr vielfältig. Dieses riesige Bundesland hat ganz viele Facetten. Es ist ein kompliziertes, sehr anstrengendes Publikum, auch im Theater. Aber es gibt die Toleranz. Dieses Leben-und-Leben-Lassen. Im Nebeneinander kann unglaublich viel passieren.“</p> <p style=\"text-align: center;\"><strong>Das politische Regulieren ist im Rheinland gar nicht nötig</strong></p> <p>Das politische Regulieren, wie man es gerade in Düsseldorf diskutiert, hält sie für einen Fehler. „Man soll es gedeihen lassen“, sagt sie. Sie sei auch nicht der Meinung, dass alles ständig subventioniert werden müsse. „Die freie Szene ist freie Szene. Man kann einzelne Projekte unterstützen.“ Damit wendet sie sich gegen die neue Ampelkoalition in Düsseldorf, die die freie Szene mehr denn je unterstützt.</p> <p>Zum Abschied watscht sie auch noch den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel ab: „Mich faszinieren in Düsseldorf das Schauspielhaus, das Dreischeibenhaus und die Haniel-Garage. Ich kann es nicht glauben, dass der OB wirklich gedacht hat, das Schauspielhaus abreißen zu wollen.“</p>",
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"author":"Helga Meister",
"pub_date":"27 Oct 2016 14:36",
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"title":"Schauspieler Manfred Krug ist tot",
"description":"<p>Berlin (dpa) - Der Schauspieler Manfred Krug ist tot. Er starb bereits am vergangenen Freitag im Alter von 79 Jahren in Berlin, wie sein Management am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung online berichtet.</p>",
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"title":"Der Theaterdonner von Düsseldorf",
"description":"<p><strong>Düsseldorf.</strong> „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben“. So lautet ein Sprichwort der Römer. Man könnte es derzeit auf Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) anwenden, der sich mit seinem Gerede um das Schauspielhaus wie ein Elefant im Porzellanladen benommen hat. Dabei hat die Stadt das beste Ballett Europas, die vitalste Kunstszene von internationalem Ruf und fein aufeinander abgestimmte Museen.</p> <p>Anstatt für die Kultur so zu werben, wie er es für die Tour de France am Startplatz Düsseldorf tut, brach er eine absurde Diskussion vom Zaun. Sie besagte, wie man zum Einsparen von Geld das Theater zerlegen, andernorts aufbauen oder mit Musicals versehen könne. Zum Glück warfen ihm alle Fraktionen im Rathaus seine Pläne um die Kultur- und Architektur-Ikone des Pfau-Baus um die Ohren. Und jetzt, da sich das Gewitter gelegt hat, kommt der Sonnenschein und damit die Einsicht bei allen Parteien: Das Schauspielhaus wird saniert. Das nennt man einen echten Theaterdonner.</p> <p style=\"text-align: center;\"><strong>37,7 Millionen Euro hat die Stadt schon in ihr Theater investiert</strong></p> <p>Eines kann man diesem OB nicht absprechen: Er ist sympathisch und fleißig. Er spurtet, wenn es sein muss, beim Marathon. Aber er kommt aus dem Eon-Konzern, wo, wie in jedem Konzern, Planspiele üblich sind. Dabei liebt er die Alleingänge. Er hat sich nie politisch sozialisieren lassen. Einflüsse von außen kennt er nicht.</p> <p>Dabei müsste er doch nicht nur für die Tour de France, sondern auch für die Kulturmetropole werben. Die Landeshauptstadt steht gar nicht so schlecht da. Sie hat mit Wilfried Schulz einen Schauspiel-Intendanten, der sehr konstruktiv agiert. Er hätte lautstark protestieren können gegen einen Abriss oder Verkauf des Hauses, stattdessen zitiert er den Autor Franz Xaver Kroetz mit den Worten: „In die Zukunft muss man investieren, damit sie eine wird.“</p> <p>Nun ist es nicht etwa so, dass Düsseldorf sein Theater verlottern lässt. Das Gegenteil ist der Fall. Von 2002 bis 2010/11 wurden 37,7 Millionen Euro in die Ober- und Untermaschinerie sowie in die Schadstoffsanierung gesteckt.</p> <p>Das Elend kam 2014 mit dem Sturm Ela. Dabei gab es einen starken Wassereinbruch, bei dem die Lüftungskanäle vollliefen. Im Dezember 2014 wurde der Auftrag erteilt, für eine neue technische Ausstattung zu sorgen. Seitdem weiß man zugleich, dass Dach und Fassade sanierungsbedürftig sind. Daraufhin gingen bei OB Geisel die Warnlampen an, denn für „Dach und Fach“ ist die Stadt zuständig, während die technische Gebäudeausstattung gemeinsam mit dem Land geschultert werden muss.</p> <p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Forderung von Ballettchef Martin Schläpfer findet Gehör</strong></p> <p>Nun kam aber auch der Architekt Christoph Ingenhoven für den Kö-Bogen II sowie die Tiefgarage ins Spiel. Diesem berühmten Baumeister erteilte der Aufsichtsrat des Schauspielhauses den Auftrag für einen Maßnahmen-Katalog. Das Papier liegt vor, nicht aber das Geld zur Sanierung. Hier nun ist erstmals Kulturdezernent Hans-Georg Lohe gefragt.</p> <p>Er trägt nämlich seit dem 1. August die Verantwortung für die Kulturbauten. Er muss also ganz schnell richten, was das Amt für Gebäudemanagement versäumt hat. Als Erstes bringt er Anfang November im Fachausschuss einen Bedarfsbeschluss für die Planungskosten ein. Damit wird die Forderung der Landeskonservatorin nach soliden Zahlen für die Sanierung von Dach und Fassade erfüllt.</p> <p>Das Schauspielhaus ist aber nicht der einzige Problemfall. Der zweite Fall, Ballettchef Martin Schläpfer, ist eigentlich ein Glücksfall. Sein Vertrag läuft bis 2019 und muss verlängert werden. Schläpfer wäre schlecht beraten, wenn er nicht an die Vertragsverlängerung Bedingungen wie einen besseren Ausstattungsetat für Bühnenbild und Kostüme und eine Anhebung der Gagen für die Tänzer knüpfen würde. Er machte seine Wünsche in unserer Zeitung publik. Das Ballett erhält derzeit jährlich rund 5,5 Millionen Euro Zuschuss.</p> <p>Der Ballettchef hat zugleich etwas ausgesprochen, was als Forderung seit Jahren in der Luft liegt: Düsseldorf braucht ein Stadtmarketing für Ballett, Oper, Museen und Ausstellungshäuser. Der Wunsch nach einem Kultur-Marketing steht im Kulturentwicklungsplan an erster Stelle. Auch hier gibt es positive Zeichen, wenn Lohe erklärt: „Um die Kultur besser sichtbar zu machen, bauen wir jetzt ein Kulturmarketing auf. Bisher hatten wir nur einen minimalen Etat dafür.“</p> <p>Dass all dies nun möglich ist, die Sanierung des Theaters und das Marketing, hat – wenn auch unbewusst – der Oberbürgermeister mit seinen Reden und seinem Gerede angestoßen. Manchmal ist ein Theaterdonner reinigend.</p>",
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"author":"Helga Meister",
"pub_date":"27 Oct 2016 11:56",
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"title":"Mario Vargas Llosa: «Kultur ist zu Unterhaltung geworden»",
"description":"<p>Berlin (dpa) - In seinem neuen Roman «Die Enthüllung» geht es um Machtmissbrauch und Korruption. Doch nicht nur in seinen Büchern prangert der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa Missstände an.</p><p>In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht er über Populisten, Demagogen und Nationalisten - und über die Klatschpresse, als deren Opfer der 80-jährige Autor sich in seiner Wahlheimat Madrid auch selbst sieht, seit seine Beziehung mit Isabel Preysler (65), der Ex-Frau des Sängers Julio Iglesias, bekannt wurde.</p><p>Frage: Ihr neues Buch spielt während der Amtszeit des peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori (1990-2000) und seines Geheimdienstchefs Vladimiro Montesinos. Warum haben Sie gerade diesen Zeitabschnitt gewählt?</p><p>Antwort: Was mich an dieser Zeit sehr beeindruckt hat, war die Art, wie die Diktatur die Schmierenpresse, die Sensationspresse, benutzt hat, um ihre Kritiker einzuschüchtern, um sie zu bestrafen, indem sie diese mit meist erfundenen oder aufgeblasenen Skandalen überzog. Das hat nicht nur für die Politik sehr negative Folgen gehabt, sondern auch für die Presse im Allgemeinen. Es hat eine Vorliebe für die Skandal-Nachrichten geschaffen, die die Intimsphäre der Menschen durchforschen und in ihr Privatleben eindringen.</p><p>Frage: Diese Invasion in das Privatleben, spüren Sie die jetzt auch?</p><p>Antwort: Ich fühle mich eher als Opfer. Unglücklicherweise ist das ein Phänomen, das ich am eigenen Leibe gespürt habe.</p><p>Frage: Was kann man dagegen tun?</p><p>Antwort: Das Problem ist, dass es sich nicht einfach lösen lässt, denn es ist eine Folge und nicht eine Ursache. Es ist eine Folge des kulturellen Lebens unserer Zeit. Die Kultur ist zu Unterhaltung geworden, zu Spaß. Und somit gibt es nichts Unterhaltsameres, als auf arglistige Weise das Privatleben bekannter Menschen zu durchforschen: Künstler, Politiker, Schriftsteller.</p><p>Frage: In Zeiten sozialer Netzwerke scheint das noch zuzunehmen.</p><p>Antwort: Ja, es ist sehr viel schlimmer. Diese große audiovisuelle Revolution hat zwar sehr positive Folgen gehabt. So ist es heute praktisch unmöglich, ein System der Zensur einzurichten. Negativ ist aber, dass die eigene Identität usurpiert werden kann, und leider habe ich dieses Phänomen selbst erlebt. (...) Mir sind mindestens drei erfundene Artikel zugeschrieben worden. Das ist skandalös.</p><p>Frage: Benutzen Sie selbst soziale Netzwerke?</p><p>Antwort: Nein. Ich benutze sie nicht und verfolge sie auch nicht. Ich habe absolut kein Interesse daran. Kein Interesse, mich an etwas zu beteiligen, was ich für eine sehr heruntergekommene Form der Kultur halte. Aber ich bin zugleich ein Opfer. Mir werden Dinge zugeschrieben, die ich nie gemacht habe, und ich habe keine Möglichkeit, mich zu wehren.</p><p>Frage: In den sozialen Netzwerken wurde viel über den Literaturnobelpreis für Bob Dylan diskutiert. Hat Sie die Entscheidung überrascht?</p><p>Antwort: Mich hat das sehr überrascht. Ich glaube, das ist Ausdruck der zunehmenden Frivolität der Kultur in unserer Zeit. Bob Dylan ist ein guter Sänger, aber er ist längst kein großer Schriftsteller. Es gibt viele Schriftsteller, die den Nobelpreis verdient hätten und beiseitegelassen worden sind. Aber dies ist die Zivilisation des Spektakels, und sie reicht inzwischen bis zur Schwedischen Akademie.</p><p>Frage: In Spanien wird es nach fast einem Jahr eine neue Regierung geben. Halten Sie eine Minderheitsregierung für machbar?</p><p>Antwort: Sagen wir, es wird eine schwache Regierung sein. Ich glaube, es wird eine kurze Regierung sein. Aber es gibt eine Wählerschaft, und die hat das Sagen. Die Wählerschaft sagt ganz klar, dass sie das Zweiparteiensystem satt hat. Dies bedeutet, dass man verhandeln muss und über gegenseitige Zugeständnisse Vereinbarungen trifft. Auch das ist Demokratie.</p><p>Frage: Vor dem Brexit-Referendum haben Sie gesagt, ein EU-Austritt wäre eine Katastrophe für Großbritannien und auch für Europa. Glauben Sie, die schlimmsten Befürchtungen werden wahr?</p><p>Antwort: Ich hätte nie gedacht, dass Großbritannien in die Hände von Demagogen und Populisten fallen könnte. Ich war in den Tagen vor dem Referendum in London - ich habe viele Jahre in England gelebt - und als ich im Fernsehen die widerlichste Demagogie und die unglaublichsten Lügen sah, erkannte ich das Land, in dem ich gelebt habe, nicht wieder.</p><p>Frage: Würden Sie sich in einem England, das nicht mehr zur EU gehört, weiter wohl fühlen?</p><p>Antwort: Nein. Ich würde in einem England außerhalb Europas, in einem nationalistischen Land, nicht leben. Ich glaube aber nicht, dass es geschehen wird. Es gibt in der Tat bereits eine sehr kritische Reflexion darüber, was passiert ist. Und irgendwie, mit dieser praktischen Seite, die die Engländer haben, werden sie auf diskrete Weise zurückrudern. Aber es ist ein interessanter Fall: Es bedeutet, dass kein Land vollständig geimpft ist gegen Demagogie, gegen Populismus und gegen das schlimmste Gesicht des Populismus, den Nationalismus.</p><p>Frage: Brexit, das Wiederaufkommen einer fremdenfeindlichen Rechten, Donald Trump - ist kein Land frei von Populismus?</p><p>Antwort: Trump ist ein Phänomen, das in gewisser Weise mit dem Brexit zu tun hat. Es ist ein Populismus, der die Frustration, das sinkende Lebensniveau und die Unsicherheit über den Arbeitsplatz benutzt, um Scheinlösungen zu präsentieren.</p><p>Frage: Halten Sie Trump für gefährlich?</p><p>Antwort: Für sehr gefährlich, denn er ist verantwortungslos, ganz klar verantwortungslos. Aber ich glaube, die Gefahr ist gebannt. Es hat zum Glück heftige Reaktionen gegeben, und alle Umfragen sagen, dass er keine Chance hat, die Wahlen zu gewinnen. Aber dennoch: Die Gefahr dadurch, dass er so viele Menschen für seine Kandidatur gewinnen konnte, ist ein Zeichen dafür, dass der Populismus die gebildetsten Länder erreichen kann.</p><p>Frage: In Deutschland gibt es die AfD.</p><p>Antwort: Die AfD ist ein weiteres Indiz dafür, dass es in einem Land, das so starke demokratische Wurzeln geschlagen zu haben schien, plötzlich einen solchen Rückgang geben kann.</p><p>ZUR PERSON: Mario Vargas Llosa leitete 1962 mit dem Roman «Die Stadt und die Hunde» den «Boom» lateinamerikanischer Literatur in der Welt ein, zu dem auch Gabriel García Márquez (Kolumbien), Carlos Fuentes (Mexiko) oder Julio Cortázar (Argentinien) beitrugen. Schon in den frühen Schaffensjahren lebte Vargas Llosa die meiste Zeit in Europa. 1990 zog er in Peru als Präsidentschaftskandidat in den Wahlkampf, unterlag aber Alberto Fujimori. 2010 erhielt der Autor, der auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, den Literaturnobelpreis.</p>",
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"title":"Fälschung oder Intrige? Prozess  um ein Bild von Ernst Fuchs",
"description":"<p><strong>Düsseldorf. </strong>Sein Vollbart und das selbst gestaltete Käppi waren die Markenzeichen des österreichischen Malers und Philosophen Ernst Fuchs, der als Mitbegründer des „Wiener Phantastischen Realismus“ gilt. Im November vergangenen Jahres verstarb der Malerfürst im Alter von 85 Jahren. Wenige Tage später begann eine Auseinandersetzung, die nur er hätte aufklären können. Ein Düsseldorfer Auktionshaus hatte nämlich das Bild „Amazone“ versteigert, das angeblich von Fuchs stammen soll. Doch der Käufer ist inzwischen überzeugt, dass es sich um eine Fälschung handelt. Am Mittwoch wurde vor dem Düsseldorfer Landgericht verhandelt.</p> <p>Für nur 10 000 Euro hatte der Kunstsammler „Amazone“ erworben. Für den dreifachen Preis hatte ein renommiertes Kölner Auktionshaus das Werk schon einmal bei einer Versteigerung angeboten, es wurde aber nicht verkauft. Doch das vermeintliche Schnäppchen sorgte bald für Ärger. Denn die ehemalige Managerin des Malers meldete sich und behauptete, „Amazone“ stamme auf keinen Fall von Fuchs.</p> <h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Ex-Managerin hatte eine Affäre  mit dem Besitzer des Gemäldes</strong></h2> <p>Sie habe den Maler 35 Jahre lang betreut. Der habe niemals Bilder verschenkt, schon gar nicht an andere Künstler. Eben das hatte der Besitzer von „Amazone“ behauptet, der ebenfalls Kunstprofessor in Wien ist und viele Jahre lang mit dem Malerfürsten befreundet war. Fuchs soll ihm das Bild geschenkt haben. Pikant: Die Managerin des Künstlers und der Professor hatten früher eine Affäre.</p> <p>Der Kunstsammler hatte das Auktionshaus verklagt, weil er sein Geld zurück möchte. Dort hätte man überprüfen müssen, ob es sich tatsächlich um ein Original handelt. Der Besitzer des Auktionshauses wunderte sich, warum denn keine Strafanzeige erstattet wurde: „Dann wüssten wir, ob es sich um einen Betrüger oder eine Intrigantin handelt.“ Am 7. Dezember wird die Sache weiter verhandelt.</p>",
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"author":"Dieter Sieckmeyer",
"pub_date":"26 Oct 2016 17:45",
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"title":"Glanzlose Perle - Kulturbaustelle Düsseldorf",
"description":"<p>Düsseldorf (dpa) - «Du schöne Perle am Rhein» heißt es in Düsseldorfs Schunkel-Hymne. Doch in der Kultur droht die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt an Glanz zu verlieren. Am deutlichsten wird das, wenn man auf dem Gustaf-Gründgens-Platz steht.</p><p>Dort erhebt sich das Schauspielhaus, ein weißer Bau mit elegant geschwungener Fassade. Eine Ikone der 60er-Jahre-Architektur, aber stark sanierungsbedürftig. Seit Anfang des Jahres ist das Haus geschlossen.</p><p>Eine Großbaustelle umfängt den verwaisten Platz. Vorschlaghämmer wummern, Bagger stehen auf Erdhügeln, Obdachlose haben ihre Schlafstätten an den großen Fenstern des Theaters eingerichtet. Rostschlieren laufen an der weißen Fassade mit den sich kunstvoll überschneidenden Flächen herunter.</p><p>Düsseldorf wird seit Jahren umgebaut. Der Verkehr im Zentrum wurde unter die Erde verlegt, und die Stadt baute eine neue U-Bahn-Linie, die statt Werbeplakaten an jeder Station mit neuen Kunstinstallationen überrascht. Das trug Düsseldorf internationale Aufmerksamkeit ein, doch das Schauspielhaus ist ein Trauerspiel. Nun hat Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) sogar den Fortbestand des Gebäudes in Frage gestellt.</p><p>Seit Tagen tobt ein Proteststurm gegen Geisels öffentliche Gedankenspiele, die von der Umnutzung des Hauses, dem Komplettumzug in das derzeitige Ausweichquartier «Central» bis hin zur Übergabe an einen privaten Investor reichen. Sogar einen Abriss hatte der OB kurz mal ins Gespräch gebracht, davon aber schnell Abstand genommen. Aber er betont: «Wer sagt, wir wollen das Schauspielhaus an diesem Ort in diesem historischen Gebäude in altem Glanz erstrahlen lassen, der muss wissen, dass das sehr, sehr kostspielig werden wird, und dass wir das heute noch nicht vollständig absehen können.»</p><p>Vor Augen dürfte Geisel dabei Beispiele in Köln oder Berlin haben, wo Sanierungen viel teurer wurden als gedacht. In Düsseldorf wurden bereits 58 Millionen Euro investiert, mindestens 25 Millionen müssen laut Stadt noch in das Schauspielhaus hineingesteckt werden.</p><p>Der neue Intendant Wilfried Schulz geht auf die Barrikaden. Der Theatermacher war aus Dresden an den Rhein gekommen und sollte dem seit Jahren kriselnden Schauspiel neues Leben einhauchen. Nur scheibchenweise aber wurde klar, dass das Schauspielhaus nicht nur neun Monate, sondern wohl mindestens drei Jahre bis 2019 dicht bleiben wird. Denn nicht nur das Theater wird repariert, nebenan entsteht das immer wieder verzögerte Großbauprojekt «Kö-Bogen II».</p><p>«Ich arbeite an einer Zukunft für das Düsseldorfer Schauspielhaus, und diese Zukunft kann es nur geben mit dem traditionellen Gebäude», sagt Schulz. Andernfalls drohe Düsseldorf sich aus der Liga der wichtigsten deutschen Theater zu verabschieden. Schon jetzt lässt Schulz auch in einem Theaterzelt spielen. Die Premieren wurden bejubelt. Noch lässt Schulz offen, wie lange seine Geduld mit der Stadt reicht.</p><p>Das Schauspielhaus ist nur eine Baustelle im Kulturleben der NRW-Landeshauptstadt. Die Besetzung der Spitzenpositionen in zwei wichtigen Museen ist offen. Kommenden Dienstag übernimmt Marion Ackermann, bisher Direktorin der Kunstsammlung NRW, die Leitung der weltberühmten Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Eine neue künstlerische Leitung für das Flaggschiff der Kunst in NRW ist noch nicht gefunden.</p><p>Der städtische Kunstpalast steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Energiekonzern Eon steigt aus der langjährigen Finanzierung aus. Der erfolgreiche Museumsdirektor Beat Wismer geht nächstes Jahr in den Ruhestand. Doch erst jüngst kam die Findungskommission für die Nachfolge erstmals zusammen. Überhaupt die Kunst. Die alle vier Jahre stattfindende Düsseldorfer Kunst-Quadriennale mit Ausstellungen in allen Häusern wurde leise begraben.</p><p>Nun stimmt auch noch Top-Choreograph Martin Schläpfer ein Klagelied an. «Das Marketing tut überhaupt nichts für uns», kritisierte der preisgekrönte Chef des Düsseldorfer Balletts am Rhein in der «Westdeutschen Zeitung». Das Ballett habe keine finanziellen Partner. Düsseldorf könnte «eine bedeutende Tanz-Stadt sein, ein zweites Stuttgarter Ballett», sagte Schläpfer. Aber: «Die Stadt schafft es nicht, großstädtisch zu sein.»</p>",
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"author":"wz.de Redaktion",
"pub_date":"26 Oct 2016 14:28",
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"title":"Wie Intendant Schulz um das Düsseldorfer Schauspielhaus kämpft",
"description":"<p><strong>Düsseldorf. </strong>Die Zukunft des maroden Düsseldorfer Schauspielhauses steht auf der Kippe. Schauspielchef Wilfried Schulz kündigte am Dienstag an, für den Erhalt und den Wiedereinzug seiner Truppe in das seit Anfang des Jahres geschlossene Haus zu kämpfen. «Ich arbeite an einer Zukunft für das Düsseldorfer Schauspielhaus, und diese Zukunft kann es nur geben mit dem traditionellen Gebäude», sagte Schulz. «Alles andere ist der Situation eines Stadttheaters einer großen deutschen Stadt nicht angemessen.»</p> <p>Auslöser ist ein Vorstoß von Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Er fordert angesichts millionenhoher Kosten für die Sanierung des rund 50 Jahre alten Gebäudes eine Grundsatzdiskussion zur Zukunft des Hauses. «Wir treffen eine Entscheidung in einer Kostendimension, die wir gegenwärtig realistisch nicht abschätzen können», sagte Geisel.   Diverse Sanierungen im Innenbereich haben nach Angaben der Stadt bereits 58 Millionen Euro gekostet. Auf bislang 25 Millionen werden weitere Arbeiten, vor allem auch der Außenfassade geschätzt. Die Maßnahmen für Brandschutz sind dabei noch nicht eingerechnet.</p> <p>«Wer sagt, wir wollen das Schauspielhaus an diesem Ort in diesem historischen Gebäude in altem Glanz erstrahlen lassen, der muss wissen, dass das sehr, sehr kostspielig werden wird, und dass wir das heute noch nicht vollständig absehen können», sagte Geisel.   Er brachte erneut drei Alternativen ins Spiel. Dies seien die Übergabe an einen privaten Bauherrn, eine andere Nutzung des Gebäudes oder unter Umständen auch ein «alternativer Standort» für das Sprechtheater. Er sei «grundsätzlich gegen eine Tabuisierung jeder Diskussion». Es müsse zügig eine «seriöse politische Entscheidung» getroffen werden.</p> <p>Schulz ist gegen einen privaten Investor. «Es ist eines großen deutschen Schauspielhauses unwürdig, dass man fragt wo man ein Plakat aufhängen und wann man eine Probe machen darf», sagte er. «Ich bin nicht bereit, das Haus in eine andere Nutzung zu überführen, und wir sind dann Untermieter.» Schulz äußerte sich nicht dazu, ob er in dem Fall Intendant bleiben werde.</p> <p>Das Düsseldorfer Schauspielhaus gehört zu den größten Sprechtheatern in Deutschland. Es wird zu je 50 Prozent von der Stadt und dem Land Nordrhein-Westfalen getragen. Der Vorschlag Geisels sei nicht mit dem Land abgestimmt worden, hatte Kulturministerin Christina Kampmann (SPD) erklärt. Sie werde sich «in Ruhe» mit der Stadt und dem Aufsichtsrat besprechen. Die Gespräche würden bereits geführt, sagte eine Sprecherin.   Bislang war anvisiert, das Schauspielhaus 2019 wieder zu nutzen. Denn auch eine benachbarte Großbaustelle sorgt für Verzögerungen.</p> <p>Nachdem das Theater jahrelang in einer Krise war, hatte Schulz trotz der widrigen Umstände einen viel beachteten Neustart geschafft. Die Premieren der neuen Spielzeit in Ausweichquartieren, etwa einem Zirkuszelt, wurden bejubelt.   Auch Geisel sagte: «Ich gehe gern und oft ins Schauspielhaus.» Er wünsche sich «einen breiten Konsens» zur Zukunft des Hauses. Aber auch die derzeitige Ersatzspielstätte «Central» habe «durchaus einen Charme».</p>",
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"author":"Dorothea Hülsmeier",
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"title":"Ian McEwan tief besorgt über den Zustand der EU ",
"description":"<p>Zürich (dpa) - Der britische Schriftsteller Ian McEwan hat sich zutiefst besorgt über den Zustand der Welt und insbesondere über die Krise der EU geäußert.</p><p>«Ich fürchte die Zunahme eines fremdenfeindlichen Nationalismus und den Zusammenbruch der Europäischen Union», sagte der 68-jährige Bestsellerautor in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der «Neuen Zürcher Zeitung».</p><p>Ein Scheitern der EU wäre die «Auflösung dessen, was meines Erachtens trotz allen Schwächen, demokratischen Defiziten und der labyrinthischen Bürokratie eine der heroischsten und brillantesten Errungenschaften unserer Geschichte ist». Zugleich wirft der Autor, der als einer der bedeutendsten Erzähler der Gegenwart gilt, Russland vor, der Welt mit «selbstgefälligem Hohn» zu begegnen.</p><p>«Wir haben es hier mit einem Land zu tun, welches danach strebt, eine Weltmacht zu werden, statt Regeln zu verteidigen, die den Frieden sichern; einem Regime, das Bomben einsetzt, die den Menschen so viel Schaden wie nur möglich zufügen.» Man könne nur spekulieren, «ob wir ohne einen nuklearen Schlagabtausch durch dieses Jahrhundert kommen».</p><p>Anlass des Interviews war das Erscheinen von McEwans neuem Roman «Nussschale» am selben Tag. Er bietet ein gewagtes literarisches Novum: Der Ich-Erzähler ist ein Embryo, der aus dem Uterus einen an «Hamlet» angelehnten Mord und daneben das Weltgeschehen kommentiert.</p><p>Ian McEwan: Nussschale. Diogenes Verlag, Zürich, 208 Seiten, 18,99 Euro, ISBN 978-3-257-60777-2</p>",
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