Die Liebenden von Leningrad
Das Buch erzählt die Geschichte von Tatiana und Alexander. Sie beginnt 1941 in Leningrad, am Tag an dem Deutschland in die Sowjetunion einmarschiert. Tatiana ist ein Mädchen, anfangs 20, das in einer typischen russischen Familie lebt. Sie bewohnt mit ihrer Familie ein Zimmer in einer Kommulalka, einer Gemeinschaftswohnung.
Alexander ist Leutnat der Roten Armee. Am 22. Juni begegnen sich die beiden zum ersten mal. Es ist Liebe auf den ersten Blick, obwohl das der unschuldigen und naiven Tatiana noch nicht so schnell bewusst wird. Ihre Liebe muss verborgen werden, weil Alexander der Freund von Tatianas Schwester Dascha ist. Dascha ist einige Jahre älter als Tatiana, liebt das Leben, ist etwas oberflächlich und alles andere als unerfahren. Tatiana wird von sehr grossen Skrupeln geplagt.
Die Situation im Krieg in Leningrad spitzt sich mehr und mehr zu. Die Lebensmittel werden sehr knapp. Die Kriminalität in der Stadt nimmt zu; es wird Winter. Bald treffen die ersten Nachrichten ein von Gefallenen Zivilisten. Tatianas Zwillingsbruder ist einer davon. Alexander pflegt sehr engen Kontakt mit der ganzen Familie, er ist immer wieder hilfsbereit, wenn es darum geht, Lebensmittel zu besorgen . Er trifft sich heimlich mit Tatiana und vertraut ihr sein gefährliches Lebensgeheimnis an.
Nachdem aus Tatianas Familie ausser ihr und ihrer Schwester Dascha alle an den Folgen des Krieges durch Hunger und Krankheit gestorben sind, schafft es Alexander die beiden aufs Land zu evakuieren.
Es gibt aber noch viele Komplikationen, bis Alexander und Tatiana ihre Liebe leben können. Das Glück ist von kurzer Dauer. Alexander muss zurück an die Front und Tatiana geht auch zurück, um als Krankenschwester zu arbeiten. Da lernt sie einen amerikanischen Arzt kennen, der für das Rote Kreuz arbeitet. Ihm gelingt es, eine Fluchtmöglichkeit zu arrangieren, damit Tatiana und Alexander die Sowjetunion verlassen können; doch es kommt anders.
Das Buch schildert sehr anschaulich, wie die städtische Bevölkerung in beengten Verhältnissen der Kommunalkas gelebt hat. Wenn die Nahrungsmittel so nach und nach rationiert und die Rationen reduziert werden, beginnt man auch selber darüber nachzudenken, wie wenig selbstverständlich es eigentlich ist, jeden Tag genügend Lebensmittel in grosser Vielfalt zu haben.
Auch die Ängste vor Verrat und die Entbehrungen an der Front und in den Krankenhäusern und Lazaretten sind eindrücklich dargestellt ohne Schuldzuweisungen und ohne die nötige Distanz oder Respekt vor den Opfern zu verlieren.
Ein schönes Buch, eine romantische, auch tragische Liebesgeschichte, auf jeden Fall wert zu lesen.
Silvia65, 12,05.2003
