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Himmelssturz

Habe gleich eins meiner neugekauften Weihnachtsbücher ausgelesen, was wirklich sehr schnell ging.

Am Anfang fand ich den Erzählstil etwas gewöhnungsbedürftig, aber das lag unter anderem auch daran, dass ich zuvor ein sehr geradlinig geschriebenes Buch ohne große Schnörksel gelesen habe

Gregor Hens, geboren 1965 in Köln, ist Professor für Germanistik an der Ohio State University, Himmelssturz ist sein erster Roman, der bereits sehr viele ausgezeichnete Kritiken erhalten hat.

Hens arbeitet mit verschiedenen Erzählebenenen: Es wechseln sich Vergangenheit mit Gegenwart ab, aber auch Erinnerungen verschiedener Personen werden vermischt. Die Geschichte ist so äußerst abwechslungsreich und interessant, nur sehr selten verliert man fast den Überblick und muss wieder zurückblättern.

Hens arbeitet nur mit indirekter Rede, was mich die Stellen manchmal hat langsamer lesen lassen, damit ich wusste, wer nun was gesagt hat.

Die Sprache ist vollmundig, was ich hier kurz in einer kleinen Leseprobe zeigen möchte:

quote:
Nasse, klebrige Finger hinterlassen Spuren auf dem Papier. Nur im Sonnenlicht erkennbare Verwerfungen der Faser: Verschmieren Skyes Namen und unsere gemeinsame Adresse: Lisbon Avenue.
Schweißtropfen, die sich zwischen meinen Schulterblättern gebildet haben, geraten in Bewegung. Folgen der Willkür ihrer Natur oder den Gegebenheiten meiner Haut, durchziehen müde die Landschaft meines Rückens. Hier und da ein schwacher Juckreiz. Dass ich einen Termin beim Hautarzt machen sollte, denke ich, wegen der Melanomgefahr.
An den äußersten Rändern meines Blickfeldes flirrt es schwarz auf. Insekten tropischen Ausmaßes, schwarzbraune, geflügelte Käfer jagen dort entlang. Abstoßend ist diese Natur nur, weil sie sich nicht zeigt. Weil sie flieht und weil sie flüchtig ist. Der Ekel lässt sich nicht festmachen an einer Erscheinung. Er hängt in den Gedanken fest.



Zum Inhalt:

Skye und Farald sind das ideale Paar: Sie attraktive Tochter aus gutem Hause und beruflich höchst erfolgreich, er angesehener Professor an einer renommierten amerikanischen Universität. Von einem befreundeten Architekten lassen sie sich ihr maßgeschneidertes Traumhaus bauen. Doch je weiter der Bau voranschreitet, umso klarer wird, dass sie niemals gemeinsam in diesem Haus leben werden.

Ein sehr gutes Buch, das vor allem auch im Nachhinein in angenehmer Erinnerung bleibt.

Himmelssturz

Himmelssturz

Lector, 22.12.2003


Ich hatte es mittlerweile ausgelesen und kann es auch sehr empfehlen.

Toller Schreibstil, viele Geschichten in der Geschichte ausserdem zeichnet der Autor ein sehr intimes Amerikabild.

3 Euro-Wühltisch-Preis die sich gelohnt haben!

Wera, 10.02.2005