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    Mord(s)fälle

    Von Lambertus | 16.Februar 2004

    Schaut ihr abends erst unterm Bett nach, ob da der böse Mann liegt? – Lasst ihr immer irgendwo nachts ein kleines Licht brennen, um den Einbrecher abzuschrecken oder um ihn gleich erkennen zu können, wenn er auftaucht? Kurzum, ängstigen euch die eigenen Fantasien?

    Wenn ja, gehört ihr sicher nicht zur Gruppe derer, die sich vorm Einschlafen mit einem spannenden Kurzkrimi zu entspannen pflegen. Zum Glück gibt’s für jene auch Anthologien freundlicheren Inhalts!

    Wer sich hingegen nach des Alltags Last und Frust und Einerlei in die Welt handfester Schlechtigkeiten entführen lassen will – sei es zur Unterhaltung oder zur inneren Würdigung der eigenen Werte -, der findet im Kurzkrimi eventuell die seelische Ausgeglichenheit für einen erholsamen Schlaf. Meist siegt im Krimi ja auch das Gute, und das ist ungemein beruhigend, – aber Verlass ist darauf heute auch nicht mehr… Und eben das sorgt für ein weiteres Spannungselement.

    Selbstverständlich kann man Kurzkrimis nicht nur als Einschlafstimulanz lesen sondern auch zu anderen Tageszeiten…

    Werden mehrere Kurzgeschichten verschiedener Autorinnen und Autoren zu einem Buch zusammengefasst, nennt man dies eine Anthologie. Und um eine solche handelt es sich bei der jüngst im Kontrast-Verlag, Pfalzfeld, erschienen Krimi-Sammlung „Mord(s)fälle“. Das in Klammern gesetzte „s“ generiert die Doppeldeutigkeit: Es geht um Mord (was nicht verwundert) und um mordsmäßig interessante Geschichten (was in diesem Buch meistens auch zutrifft) Auf dem Cover finden wir eine dicke „1“, was darauf hindeutet, dass irgendwann ein Band 2 geplant ist.

    Das Buch entstand aus einer Ausschreibung des Verlages im Internet. Wer einen interessanten Krimi geschrieben hatte, konnte ihn einreichen. Nach einer Vorauswahl wurden die einzelnen Texte bewertet durch einen Schriftsteller, einen Kriminalbeamten und ein Verlagsmitglied. Die besten 20 Beiträge von weit über 200 Einsendungen wurden dann in „Mord(s)fälle“ veröffentlicht.

    Ein Kompliment verdient die Vielseitigkeit, die wohl bei der Auswahl auch eine Rolle spielte. Hier ähnelt kein Krimi dem anderen, weder inhaltlich noch in der Schreibweise. Da werden mit bloßen Händen, Giften, Messern, Pistolen und Revolvern wenig geschätzte Mitmenschen ins Jenseits befördert. Mal geschieht dies sachlich kühl, mal zynisch, manchmal mischen sich schwarzer Humor und Erotik darunter. Doch alle Geschichten sind lesenswert und unterhaltsam.

    Schmunzeln lässt schon die erste Geschichte von Heinz-Peter Baecker mit dem Titel „Die Gebrauchsanleitung.“ Da setzt ein Verleger doch tatsächlich die Mordidee seines Autors in die Tat um… Also, auch ein Hauch Selbstironie des Verlages ist in diesem Buch zu finden.

    Irgendwo begegnen wir übrigens auch der Kommissarin Marion Zelenka, an deren virtueller Existenz ich nicht ganz unschuldig bin.

    Ein wenig Kritik muss ich anbringen zum Lektorat. Egal, ob man nun ein Anhänger der alten oder der neuen Rechtschreibung ist, hier wäre mehr Aufmerksamkeit wünschenswert gewesen. Man glaubt da manchmal den Termindruck zu spüren, das fertige Buch auf der letzten Frankfurter Buchmesse präsentieren zu können. Da passieren dann auch „Verschlimmbesserungen“, wenn beispielsweise aus dem Autoren-Original „Not-Aus“ ein „Non-Stop“ gemacht werden soll, jedoch im gedruckten Text durch einen Dreher ein „Not-Spot“ daraus wird.

    Abgesehen von diesen Äußerlichkeiten unterhält das Buch recht gut, auch für den kleinen „literarischen Hunger zwischendurch“. Neulich las ich eine Betrachtung, dass so richtige eingefleischte Krimifans in der realen Verbrechensstatistik weit unter Durchschnitt in Erscheinung treten. Seht ihr, – die wissen halt, was sie tun oder besser nicht tun! Mögen diese „Mord(s)fälle“ also – ganz im Gegensatz zur ersten Geschichte in dem Buch – auch erzieherisch wirken!

    Die Titel und ihre Autoren:

    Heinz-Peter Baecker: Die Gebrauchsanleitung
    Jo Beer: Eine perfekte Geisel
    Mareike Brombacher: Vier Dosen
    Carmen Caputo: Makaber
    Norbert Döring: Watt für ein Mordsurlaub
    Susanne Frense-Schneider: Der verdiente Mord
    Christiane Geldmacher: Bei Lektüre Mord
    Ulrich K. Hefner: Das dreizehnte Bild
    Fran Henz: Konzepte
    Gabriele Keiser: Mutterseelenallein
    Ursula Lange: Schlodderkappes und Bettelmann
    Gerhard Merz: Verwehte Träume
    Kurt Mühle: Am Haken
    Karina v. Odenthal: Mitten ins Herz
    Kristin von Palubitzki: Schwarzer Schlaf
    Rosemarie Pfister: Endstation Sin City
    Wolfgang Polifka: Kraut
    Melanie Reißfelder: Letzte Worte
    Reinhold Vollbom: Grüße aus dem Jenseits
    Rainer Wedler: Vollmond

    „Mord(s)fälle“
    Anthologie mit 20 Beiträgen
    Paperback, 152 Seiten, erschienen Herbst 2003
    Kontrast-Verlag, D-56291 Pfalzfeld
    www.kontrast-verlag.de
    ISBN 3-935286-34-1
    Preis: 9,90 EURO
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