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    Der Fundamentalist,der keiner sein wollte

    Von Claudine Borries | 27.April 2007


    Wie soll man sich das Zusammentreffen eines Amerikaners in Lahore, Pakistan, mit einem Pakistani vorstellen?
    Es ist ein nicht ungefährliches Unterfangen, als Amerikaner alleine da herum zu reisen.

    Auf einem Platz in der Altstadt von Lahore begegnen sich die beiden ganz zufällig.
    Changez, der Pakistani, ist ein freundlicher, zuvorkommender und gebildeter Mann. Er spricht den Fremden, offensichtlich ein amerikanischer Geschäftsmann, höflich an und versucht, ihm behilflich zu sein bei der Suche nach einem ruhigen Platz, wo man gemächlich eine Tasse Tee zu sich nehmen kann.
    Man kommt ins Gespräch, aber eigentlich spricht Changez die ganze Zeit.
    Er erzählt ganz übergangslos von seinem Studium in Amerika und von seiner einstmals reichen, jetzt eher verarmten Familie in Lahore.
    Er hat mit einem Stipendium in Princeton studiert, hat das amerikanische Leben mit seinem neureichen Überschwang erlebt und sich in eine reiche Amerikanerin verliebt. Darüber ist ihm die Vergangenheit mit der alten Kultur und Würde in seiner Familie fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Seine Erzählungen aus der Kindheit erscheinen wie ein fernes Märchen.
    Nach dem Studium ist er nach einem strengen Auswahlverfahren von einer äußerst elitären und anspruchsvollen Firma eingestellt worden, als einer von wenigen seiner Mitkommilitonen. Es geht ihm so gesehen gut. Er hat es weit gebracht und man könnte ihn als assimiliert bezeichnen.
    Dann kam der Überfall auf das WTC am 11. September 2001!
    Vom selben Moment an verändert sich die Welt und zugleich das Leben von Changez. Man darf auf seine Entwicklung gespannt sein!

    M.Hamid hat eine ausgefeilte, ästhetische und poetische Sprache, die seinen literaturbegeisterten Leser einfach mit nimmt in seine Welt. Man wird sofort von der Geschichte durch die sensible Erzählweise gefesselt.

    In dem unaufhaltbaren Redefluss des Helden zeigt sich eine feine Beobachtungsgabe für die Charaktere seiner Protagonisten. Empfindsam werden Gefühle schon erraten, bevor sie überhaupt zur Sprache gekommen sind. Feinste menschliche Schwächen oder Stärken werden registriert. Das Leben in Lahore und das Leben in New York werden atmosphärisch so einprägsam beschrieben, dass man sich fragt, wie man im Wechsel zwischen diesen beiden Welten leben kann. Dass es in der Firma in New York Förderer gibt, die Changez immer wieder zu neuen Leistungen ermutigen, zeigt die menschliche Seite Amerikas. Man ahnt jedoch auch die raue Seite des american way of life und die Arroganz einer Militärmacht, die sich zum Retter der Welt berufen fühlt! Sollte es da nicht verwundern, wenn man als amerikanisierter Pakistani über die eigene Identität ins Grübeln gerät?

    Hamids Gedanken sind von tiefenpsychologischer Klarheit, großer Ehrlichkeit in den dargestellten Gefühlswelten und sie sind hoch politisch.
    Es geht um verschiedene Kulturen und Zivilisationen, und es geht darum, wie verschiedene Welten zu einander finden können, ohne die eigene Historie zu verraten.
    Hamid versucht mit seiner Geschichte, beide Seiten der geteilten Welt nach dem 11.09.2001 zu beleuchten.

    Er kennt alles, worüber er in diesem Buch schreibt, aus eigener Anschauung.
    Er wuchs in Lahore, Pakistan, auf, studierte in Harvard und Princeton, wurde mit anerkannten Preisen ausgezeichnet und arbeitet für verschiedene New Yorker Zeitungen.
    Ich kann das Buch jedem kulturanthropologisch Interessiertem nur empfehlen.

    Mohsin Hamid
    Der Fundamentalist,der keiner sein wollte
    Perspektiven aus zwei verschiedenen Welten
    ISBN:3455400477
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    ... 2.518 Aufrufe 1 Kommentar » | Kategorie Allgemein | Tags , | Trackback: URL/trackback

    Ein Kommentar to “Der Fundamentalist,der keiner sein wollte”

    1. eda meint:
      11.Juni 2013 at 21:10

      hammer aussage bin der selben meinung ich finde das buch empfehlenswert !:)!

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