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    Jessica Durlacher: Der Sohn

    Von Claudine Borries | 21.Februar 2012

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    Familiendrama mit weit in die Nazizeit reichenden Wurzeln.

    Saras Vater ist gestorben! Er, der doch für alle der behütende und versorgende Ehemann und Vater war! Wie konnte das geschehen?

    Obwohl er bereits achtzig Jahre alt war, glauben seine Töchter und die Ehefrau Iezebel einfach noch nicht, dass er gestorben ist.

    Im Zuge der Nachforschungen nach seiner Vergangenheit erfahren sie, wie er unter den Nazis der Vernichtung der Juden entging, seine Eltern aber ermordet wurden. Warum hat er nie darüber gesprochen?

    Es ist das alte Thema neu komponiert: wie konnte man dem Holocaust entgehen, und wie verliefen Lebensläufe, die durch die schrecklichen Ereignisse geknickt und gebrochen wurden? Jessica Durlacher baut ihren Roman aus vielen kleinen Einzelteilen auf. Da sind die Schwestern Sara und Tara, die sich in Eifersucht und sehr unterschiedlichen Gefühlsreaktionen an einander aufreiben.

    Sara hat es mit ihrem Mann Jacob, der es als Filmproduzent arbeitet, zu Wohlstand gebracht. Sie bewohnen eine große Villa in Overveen/ Holland. Inzwischen genießt Sara ihr gutes Leben, obwohl das nie ihr erstes Lebensziel war. Mitch, ihr gemeinsamer Sohn, geht mit 18 Jahren zum Studium nach Berkeley/USA. Sara trauert schon jetzt, weil sie ihn so lange nicht sehen kann. Ihre Tochter Tess ist mit ihren dreizehn Jahren noch zu jung, um zu verstehen, was die Erwachsenen umtreibt.

    Zunächst ist die Geschichte in einem ganz normalen Familienalltag angesiedelt. Doch dann geschehen schreckliche Dinge: Sara fällt beim Joggen fast einer Vergewaltigung zum Opfer. Mitch besteht zum Entsetzen seiner Mutter darauf, sich bei den Marines, einer besonders hart geschulten Elitetruppe der amerikanischen Armee, einzuschreiben. Da beide Kinder des holländischen Paares in den USA geboren wurden, ist das ohne weiteres möglich.

    Inzwischen passiert im Haus der Familie in Overveen ein Raubüberfall mit gravierenden Folgen für alle Beteiligten.

    Hinter den Ereignissen stecken subtil verborgen Vorkommnisse der nahen europäischen Geschichte, in die auch Holländer, nicht alle aber doch einige, mit ihrem persönlichen Judenhass verwickelt waren.

    Familienzusammengehörigkeit und die Liebe unter einander fügen sich in die Handlung schlüssig ein. In anrührenden Passagen weiß die Autorin über die Veränderungen der Mutterliebe zu berichten.

    Zwischen Familienglück und unerwartetem Unglück pendelt das Leben der einzelnen Familienmitglieder hin und her.

    Dramatisch steigert die Autorin ihren  Roman zu einem dynamischen Thriller, dessen Stränge bis in jene traurige Vergangenheit des Naziregimes und der Judenverfolgung reichen.

    Jessica Durlacher fügt die einzelnen Puzzlesteinchen zu einer spannenden Handlung zusammen, deren Hintergründe durchaus der Realität entnommen sein könnten. Ein sehr zu empfehlender spannender Roman ist ihr gelungen, der historische Tatsachen zeitgemäß mit verarbeitet.

    Jessica Durlacher
    Der Sohn
    416 Seiten, gebunden
    Diogenes, Februar 2012)
    ISBN-10: 3257068115
    ISBN-13: 978-3257068115
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    ... 3.057 Aufrufe 1 Kommentar » | Kategorie Belletristik | Tags , , , , , , | Trackback: URL/trackback

    Ein Kommentar to “Jessica Durlacher: Der Sohn”

    1. Rainer meint:
      20.April 2012 at 19:21

      Das Buch gefällt mir, weil es genau das gleiche Thema behandelt, welches ich seit drei Jahren bearbeite. Wenn ich höre, dass heue ein Kind eine Ohrfeige erhielt, finde ich dieses eigentlich nicht schlimm. Aber wenn der Vater ständig die Hundeleine nahm, obwohl ich nie wusste weshalb ich diese Schläge erhielt, ist mir heute einiges Klar. Vater sagte „Du darfst niemanden erzählen, dass Du in Lüneburg geboren bist!“. Weshalb nicht, ist doch nicht schlimm, oder? Bis ich zu diesen Erkenntnis kam weshalb es so war, musste ich rund 4’000 Recherchen starten, und heute warte ich immer noch auf Antworten vom Internationalen Suchdienst, usw. Heute ist alles KLAR.

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